Zum internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November setzt das Südtiroler Kinderdorf ein klares Zeichen: Ab sofort sind alle 80 Mitarbeiter offiziell Schutzbeauftragte. Damit geht das seit zwei Jahren entwickelte Schutzkonzept des Kinderdorfs in die Endrunde – ein wichtiger Meilenstein in der konsequenten Haltung für Kinderschutz, Prävention und Sensibilisierung.
Karl Brunner, Direktor des Südtiroler Kinderdorfs, betont die besondere Bedeutung dieser Initiative: „Bei uns finden Kinder, Jugendliche und Frauen vorübergehend einen Ort, wo sie sich in einem geschützten Umfeld ihren Herausforderungen stellen können. Um diesen Schutz zu gewährleisten, ist eine Haltung der Achtsamkeit, ein Klima der Offenheit und die Sensibilisierung aller Beteiligter wichtig. Unser Schutzkonzept hilft uns dabei, dies auch im Alltag zu verankern und eine Kultur des Hinschauens und nicht des Wegschauens zu etablieren.“
Das Schutzkonzept, an dem das Südtiroler Kinderdorf seit rund zwei Jahren arbeitet, wurde gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen, Eltern, Netzwerkpartnern, der Kinder- und Jugendanwaltschaft sowie weiteren Fachpersonen entwickelt.
„Wir haben Kinder, Jugendliche und Eltern einbezogen, Rechtsgutachten eingeholt und Experten hinzugezogen“, erklärt Roland Feichter, Bereichsleiter der Kinder- und Jugendwohngruppen. „Besonderen Wert legen wir in der Umsetzung auf Offenheit, Kommunikation und darauf, dass wir unsere Haltung stetig verfeinern und unser Handeln reflektieren – auch mithilfe von Supervision.“
Missbrauch und Kindeswohlgefährdung können vielfältige Formen haben – körperlich, seelisch, psychisch, sexuell, institutionell oder ökonomisch, ebenso in Form von Vernachlässigung.
„Wir wollen 360 Grad hinschauen“, so Feichter. „Wachsam sein, Verantwortung bewusstmachen und alle Beteiligten schulen – individuell und im Zusammenwirken.“ Im Südtiroler Kinderdorf werden mit dem neuen Schutzkonzept noch klarere, für Kinder und Erwachsene verständlicher gestaltete Beschwerdewege und Meldesysteme eingeführt werden, um Verdachtsfälle anzusprechen.
„Wir wollen Wege ermöglichen und eine Kultur fördern, in der Missbehagen geäußert werden kann – zum Schutz aller Beteiligten, aber auch mit der klaren Verpflichtung, jedem Verdacht nachzugehen“, erläutert Feichter.
Mit der offiziellen Beauftragung aller Mitarbeiter zu Schutzbeauftragtenwird ein wichtiger Schritt gesetzt, um Verantwortung und Achtsamkeit dauerhaft in der Organisationskultur zu verankern. Alle neuen Mitarbeitenden werden systematisch in das Schutzkonzept eingeführt. In Supervisionen und Fallbesprechungen wird unser Handeln kontinuierlich reflektiert.
„Schon bisher haben Mitarbeiter Verantwortung übernommen“, sagt Direktor Karl Brunner. „Durch diese Beauftragung wird diese Verantwortung bewusster gemacht und ein klares Zeichen nach innen und außen gesetzt.“ Das Schutzkonzept ist damit aber nicht abgeschlossen: „Beim Schutz kann man nicht die Hände in den Schoß legen und sich auf einem erarbeiteten Text ausruhen. Es gilt dranzubleiben, diese Haltung beständig in Erinnerung zu rufen und weitere Puzzleteile zu entwickeln. Ein nächster Schritt ist die Ausarbeitung eines Partizipationskonzeptes, das die Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Eltern stärken wird“.
Das Südtiroler Kinderdorf begleitet seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Zum Tag der Kinderrechte bekräftigt die Sozialgenossenschaft ihr zentrales Anliegen: Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz, Würde, Beteiligung und Entwicklung.