Gesellschaft
Rotary ARThandicap
07.01.2026
Erklärtes Ziel einer jeden humanen Gesellschaft ist es, schwächere Mitglieder zu stützen und aktiv einzubeziehen. In den letzten Jahren ist die Menschheit kaum friedlicher, und auch nicht verständnisvoller geworden. Das zeigt sich leider auch im Umgang mit Menschen, die an dauerhaften körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen leiden. Dennoch sind Fortschritte in großen Teilen der Gesellschaft zu verzeichnen.
Schämte man sich früher oft über Betroffene, so fordert inzwischen die WHO einen offenen und helfenden Umgang mit ihnen. Das beginnt bei ihren Ausdrucksformen. Menschen mit Behinderung sind oft anders begabt, sind manchmal ganz besonders kreativ oder seltsamen Erlebnissen ausgesetzt, die sie gut bildnerisch vermitteln können. Kunst kennt eigentlich keine Behinderung, Ausdruck überwindet Ausgrenzung. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert seit 2006 etwas, was sie Teilhabe und Inklusion nennt: Schwächere, Benachteiligte in unserer Gesellschaft benötigen nicht etwa die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen, sondern etwas mehr davon, eben mehr Rechte für gleiche Chancen. Dass diese radikale Idee nur langsam Platz greift ist sehr verständlich, entzieht sie doch der Mehrheit aktiv das Vorrecht, bevorzugt zu sein. Bevorzugt soll eine beeinträchtigte Minderheit werden. Dieses Credo ist durch drei Jahre Coronakrise und folgenden politischen Rechtsruck ins Wanken gekommen. Sich in schwierigen Zeiten um sozial Schwächere mit noch stärkerem Einsatz zu kümmern, belastet auch die Südtiroler Gesellschaft sehr. In dieser gespannten Lage will Rotary ein klares Zeichen setzen.
Auf die Idee von Hans Christoph von Hohenbühel hin schließen sich alle Rotarier Südtirols seit 2015 alle zwei Jahre zusammen, um einen kreativen Wettbewerb und eine Kunstausstellung für Menschen mit Beeinträchtigung auszurichten. Die Teilnahme am Projekt will allen Kreativen unter ihnen Freude und Genugtuung bereiten, und ihnen die Chance auf eine qualitative Bewertung ihres Schaffens geben. Ebenso soll den Angehörigen, Betreuern und Begleitern Vergnügen und Stolz über die erbrachten Leistungen vermittelt werden. Und nicht zuletzt geht es darum, unsere moderne Gesellschaft zu öffnen für Signale, die von industrieller Fertigung und Höchstgeschwindigkeit weg führen, hin zur Einzigartigkeit der Kreativität.
Der Erfolg dieser Kunstausstellungen war bisher fünfmal überwältigend. Jedes Mal hatten mehr als 35 Künstler mit durchschnittlich 90 Werken bewiesen, wie ausdrucksstark Menschen auch in schwieriger Lage sein und handeln können. Es ist diesmal besonders wichtig. Wir wollen damit neue Normalität nach der Coronakrise verbreiten. Wir wollen zeigen, dass zutiefst menschliche Fähigkeiten wie künstlerisches Schaffen gerade unter widrigen Umständen wichtig und aussagekräftig werden.
Landeshauptmann Arno Kompatscher mit seinen Landesräten Hubert Messner, Rosmarie Pamer, Philipp Achammer, Marco Galateo und Daniel Alfreider sowie das Südtiroler Kulturinstitut mit seinem Präsidenten Hans Christoph von Hohenbühel fördern das Projekt „Rotary Art Handycap Award 2026“ durch ihre Schirmherrschaften, organisatorisch und durch die Verteilung der Einladungen an Interessierte.
Teilnahmeberechtigt ist jeder in Südtirol ansässige Mensch mit körperlicher oder geistiger Behinderung ab dem vollendeten 16. Lebensjahr. Bewertet werden pro Einsender maximal drei Zeichnungen, Malereien, Drucke oder Plastiken. Die Werke sollen in Din A 4 Fotos abgebildet bis zum 3. April 2026 (Karfreitag) an folgende Adresse gesandt werden: E-Mail an bressanone-brixen@rotary2060.org oder per Post (bitte ausreichend frankiert) an Rotary Club Brixen c/o Hotel Elephant, Weißlahnstraße 4, 39042 Brixen, Kennwort: Rotary-ARThandicap-Award.
Teilnahmebedingungen und Abläufe sind auf der Auslobung zum Wettbewerb genau beschrieben und können bei bressanone-brixen@rotary2060.org angefordert werden.
Eine fachkundige Jury wird die 20 besten Arbeiten auswählen und bestimmt drei Förderpreise, die mit 1.000, 7.500 und 5.000 Euro dotiert sind. Die 20 ausgewählten Werke werden im Waltherhaus Bozen vom 4. bis zum 7. Juni ausgestellt. Anlässlich der Ausstellungseröffnung am 4. Juni um 18.00 Uhr erfolgt die Prämierung der Siegerwerke. Zusätzlich wird bei dieser Gelegenheit ein sehr gelungener Werkskatalog der Öffentlichkeit vorgestellt. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.
Roger Pycha
(Im Bild das Werk von Corinna Retrivi, Robin Hood, 1. Preis 2024)