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Home → News → Wie verbotene Pestizide im Fruchtfleisch landen - 25.01.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Gesundheit

Wie verbotene Pestizide im Fruchtfleisch landen

25.01.2026
Der globale Markt für Bananen ist fest in den Händen von Großkonzernen wie Dole, Del Monte und Chiquita. Für den Export bauen sie fast ausschließlich die Sorte Cavendish an. Weil Cavendish-Bananenpflanzen alle genetisch ident sind, in großflächigen Monokulturen wachsen und folglich anfällig für Krankheiten sind, ist in der konventionellen Landwirtschaft der Einsatz einer breiten Palette an Pestiziden üblich.

Wie der konventionelle Anbau von Bananen in Ecuador, einem der größten Bananenexporteure der Welt, funktioniert, war im Dezember 2025 in einer Investigativ-Sendung von Rai3 zu sehen. Bodennahe Kleinflugzeuge verteilen Fungizide, mehrheitlich den Wirkstoff Mancozeb, über den Plantagen - ohne Rücksicht auf die unter der Pestizidwolke arbeitenden und lebenden Menschen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA stuft Mancozeb als hormonell wirksam, fortpflanzungsgefährdend und giftig für die Ökosysteme ein. In der EU wurde die entsprechende Zulassung 2020 entzogen, in Lateinamerika ist Mancozeb jedoch weiterhin verbreitet in Verwendung. Die „Bananeros", die Arbeiter auf den Bananenplantagen, berichten von Hautreizungen, Atemproblemen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Bei Kindern und Frauen, die in der Nähe von Plantagen wohnen, treten gehäuft Lernschwächen bzw. Störungen der Schilddrüsenfunktion auf. Laut den Recherchen von Rai3 kämen in bestimmten Regionen in Ecuador auffallend viele Kinder mit Behinderungen zur Welt. Zum Schutz vor Schädlingen werden die Blüten- bzw. Fruchtstände der Bananenpflanzen in Plastiksäcke gehüllt, die mit Insektiziden (häufig: Bifenthrin) imprägniert sind. Die Rai-Doku zeigt zudem, dass Arbeiterinnen oft ohne Handschuhe die geernteten Bananen mit Alaun, einem Aluminiumsalz, besprühen, um Schimmelbildung während des wochenlangen Transports auf See zu verhindern.

Das Rai-Investigativteam ließ acht Proben von Bananen aus verschiedenen italienischen Supermarktketten im Labor auf Pestizidrückstände analysieren. „Eigentlich würde man annehmen, dass die robuste Bananenschale das Fruchtfleisch gut abschirmt. Systemische Pestizidwirkstoffe bleiben jedoch nach der Anwendung nicht an der Oberfläche, sprich auf der Bananenschale, sondern verteilen sich in allen Teilen der Pflanze, auch im Fruchtfleisch", erklärt Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. Tatsächlich waren im Fruchtfleisch der Proben Rückstände von zehn verschiedenen Wirkstoffen, jeweils unterhalb der gesetzlich festgelegten Höchstwerte, nachweisbar. Problematisch daran ist, dass vier der nachgewiesenen Substanzen in der EU verboten sind, namentlich die Insektizide Bifenthrin und Chlorpyrifos sowie die Fungizide Fenpropimorph und Myclobutanil. Sie alle dürfen in der EU nicht mehr eingesetzt werden, weil sie ein zu hohes Risiko für die menschliche Gesundheit, für Bestäuber oder andere Organismen oder für die Umwelt darstellen1.

Bereits in der Vergangenheit wurden bei konventionellen Bananen Mehrfachrückstände von Pestiziden, also Rückstände von mehr als einem Wirkstoff in ein und derselben Probe, dokumentiert.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart wies 2024 in 17 von 17 konventionellen Bananenproben Pestizid-Mehrfachrückstände, jeweils unterhalb der gesetzlichen Höchstwerte, nach. 2023 untersuchte das CVUA Stuttgart 11 Bananenproben aus konventionellem Anbau im Ganzen sowie in der Schale und im Fruchtfleisch auf Pestizidrückstände. Die Konzentrationen im Fruchtfleisch betrugen zwar weniger als 10 Prozent des Gehalts in der Schale, die gesetzlichen Höchstgehalte wurden nicht überschritten. Doch auch diese Untersuchung wies die in der EU verbotenen Wirkstoffe Bifenthrin, Fenpropimorph und Myclobutanil nach. Das italienische Verbraucherschutzmagazin Il Salvagente untersuchte 2022 20 Bananenproben aus italienischen Supermärkten und Diskontern auf Pestizidrückstände im Fruchtfleisch. Nur drei Proben, alle drei aus biologischer Landwirtschaft, waren frei von Rückständen, alle anderen enthielten Rückstände von Pestiziden unterhalb der gesetzlichen Höchstwerte, bei manchen Proben ein Mix von bis zu sechs verschiedenen Wirkstoffen. Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg untersuchte 2018 27 Bananenproben aus konventionellem und neun Proben aus biologischem Anbau, alle mitsamt der Schale. Die Bio-Proben waren frei von Pestizidrückständen, aber alle konventionellen Proben enthielten Mehrfachrückstände unterhalb der Höchstwerte von bis zu sechs Wirkstoffen pro Probe.

Die deutsche Verbraucherschutzorganisation foodwatch kritisiert den Umgang der EU mit Pestiziden als Doppelmoral. Während besonders gefährliche Pestizide in der EU nicht (mehr) verwendet werden dürfen, stellen Konzerne, auch in Europa, diese nach wie vor her und exportieren sie in andere Weltregionen: auf Kosten der Gesundheit der dort lebenden Menschen und der Umwelt. Und weil alles mit allem verbunden ist, landen die nicht mehr zugelassenen Pestizide über importierte Lebensmittel auch auf den Tellern der Bürger und Bürgerinnen in Europa. foodwatch fordert daher, dass Chemikalien, die aufgrund ihrer schädlichen Wirkung auf Gesundheit und Umwelt in der EU verboten sind, nicht länger in andere Länder exportiert werden dürften, und dass Lebensmittel, die mit diesen verbotenen Pestiziden behandelt wurden, nicht länger in die EU importiert werden dürften. Aktuelle Vorhaben der EU-Kommission wie das Lebens- und Futtermittelsicherheits-Omnibuspaket gehen leider in eine gänzlich andere Richtung: sie sehen zeitlich unbefristete Genehmigungen für Pestizidwirkstoffe sowie niedrigere Hürden und längere Laufzeiten für „Notfallzulassungen" für besonders gefährliche Pestizide in der EU vor.

Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen, tun gut daran, Bananen aus biologischer sowie öko-fairer Produktion zu bevorzugen. In der biologischen Landwirtschaft ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden verboten.


Info:
Bifenthrin ist vermutlich krebserregend für den Menschen, hormonell wirksam und ein Nervengift sowie hochgiftig für Fische und Bestäuber. In der EU wurde die Zulassung 2019 nicht verlängert, die Aufbrauchsfrist endete 2022.

Chlorpyrifos ist hormonell wirksam und hat eine schädigende Wirkung auf die Gehirnentwicklung von Ungeborenen. In der EU wurde die Zulassung 2020 nicht verlängert, auch die Aufbrauchsfrist endete 2020.

Fenpropimorph ist als reproduktionstoxisch eingestuft und kann möglicherweise das Kind im Mutterleib schädigen. In der EU ist es seit 2019 nicht mehr zugelassen.

Myclobutanil schädigt im Tierversuch Embryonen und ist hochgiftig für Wasserlebewesen. 2021 wurde die Zulassung in der EU nicht mehr erneuert.
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