Am Freitag (6. Februar) trafen sich die Funktionärinnen der Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) zu ihrer Klausurtagung an der UNI in Brixen. Neben Statutenanpassungen sowie Tätigkeits- und Kassaberichten stand ein fachlicher Austausch zu aktuellen agrarischen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Themen auf dem Programm – und ein deutliches Sichtbarmachen der zentralen Rolle der Bäuerinnen in Südtirol.
Während das gesellschaftliche Bild der Bäuerin vielerorts noch immer von überholten Rollenklischees geprägt ist, zeigte die Klausur klar: Die Bäuerin von heute ist nicht nur Managerin von Haushalt und Familie, sondern eine qualifizierte Fachkraft, die in agrarische Zusammenhänge und Zukunftsfragen der Landwirtschaft eingebunden ist. Dies unterstich auch der Tätigkeitsbericht: die Tätigkeiten der Aus.unserer.Hand-Bäuerinnen, der Schule.am.Bauernhof-Betriebe, der Sozialgenossenschaft Mit Bäuerinnen lernen-wachsen-leben mit dem Tagesmutterdienst und dem Projekt Gemeinsam Alltag leben, die Lebensberatung für die bäuerliche Familie, die Kooperationsprojekte mit dem Beirat für Chancengleichheit und anderen Institutionen und Organisationen wie dem Arbeitskreis Frauen in den Führung von Genossenschaften zeigen, dass die Bäuerinnen sich neue Wege suchen und auch gehen.
Starke Frauen stärken Frauen – das war der Grundtenor in der Klausurtagung. Diskutiert wurden bei der Klausurtagung zentrale Themen wie das aktuelle Tierschutzgesetz, rechtliche Vorgaben im Pflanzenschutz, Förderkriterien, Rentenabsicherung und soziale Absicherung. Die Teilnehmerinnen setzten damit ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bäuerinnenorganisation fachliche Weiterentwicklung und Wissensvermittlung aktiv vorantreibt.
Landesbäuerin Antonia Egger betonte bei der Eröffnung der Klausur: „Eine Bäuerin führt heute ein Unternehmen. Sie kennt ihre Zahlen, sie kennt die Gesetze und sie trägt Verantwortung für Tiere, Hof und Familie. Diese Kompetenz verdient Anerkennung, und sie gehört sichtbar gemacht.“ Egger unterstrich zudem die Bedeutung des Internationalen Jahres der Bäuerin: „Wer die Zukunft unserer Höfe sichern will, muss die Kompetenz der Frauen sichtbar machen, ernst nehmen und stärken.“
Michael Crepaz, SBB-Mitarbeiter und Experte im Bereich Förderungen, informierte über wesentliche Förderkriterien – von der Betriebsprämie über das Eco-Schema, die Grünland- und Landschaftspflegeprämie bis hin zu Classyfarm. Abschließend hielt er fest: „Bäuerinnen wissen viel und ohne sie würde die Bürokratie gar nicht funktionieren.“
In der anschließenden Diskussion berichtete Ressortdirektor Ulrich Höllrigl vom Amt für Landwirtschaft über die geplante Überarbeitung der Kriterien für die Direktvermarktung. Ziel aller Anpassungen sei es, die Einkommen der bäuerlichen Familien zu sichern. Themen wie Tierwohl und Pflanzenschutz müssten dabei stets gesamtheitlich betrachtet werden. Besonders hob er das Potenzial neuer Technologien hervor.
Auch die Gemeindeentwicklungspläne wurden intensiv besprochen. Siegfried Rinner, Direktor des Südtiroler Bauernbundes, appellierte an die bäuerlichen Gemeinderäte, Verantwortung zu übernehmen und die Interessen bäuerlicher Familien aktiv zu vertreten.
Zum Abschluss der Klausur unterstrichen die Landesleiterin der Südtiroler Bauernjugend Viktoria Kössler, die Landespräsidentin der Seniorenvereinigung Theresia Larcher sowie Landtagsabgeordneter Franz Locher gemeinsam die große Bedeutung der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Die SBO sei ein unverzichtbarer Motor für fachliche Kompetenz, gesellschaftliche Sichtbarkeit und politische Stärkung der bäuerlichen Familien. Sie würdigten die Bäuerinnen als starke Stimme in der Landwirtschaft, als Vorbilder für junge Frauen und als tragende Säule des ländlichen Raums, deren Engagement für Südtirol von unschätzbarem Wert sei.
Die Klausur diente nicht nur der fachlichen Vertiefung, sondern auch der Vernetzung und Stärkung der Funktionärinnen auf Bezirks- und Ortsebene. Sie schloss mit dem gemeinsamen Auftrag, das Jahr der Bäuerin aktiv zu nutzen, um Bewusstsein zu schaffen, Rollenbilder zu öffnen und die Kompetenzen der Bäuerinnen der Öffentlichkeit aufzuzeigen.
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