Die Ausbreitung von Zecken macht auch vor alpinen Regionen nicht halt. Nachdem Zecken früher vor allem in tieferen Lagen vorkamen, werden sie in den letzten Jahren zunehmend auch in höheren Gebieten festgestellt. Mit Jahresbeginn wurde daher das internationale Zeckenmonitoring-Projekt MONZEC ausgeweitet, u. a. auch auf das Wipptal.
Ziel des Projektes ist es, Zecken systematisch zu erfassen und zu dokumentieren, um ein besseres Bild über Vorkommen, Höhenverbreitung sowie mögliche Risiken für Mensch und Tier zu erhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei Zeckenfunde an Wildtieren wie Reh, Hirsch und Gämse, aber auch an Haustieren sowie Zeckenstiche beim Menschen.
Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), gegen die es eine Impfung gibt, zählen dazu auch Borrelien, für die derzeit keine Impfung verfügbar ist. Darüber hinaus können auch weniger bekannte Erreger wie Anaplasmen, Rickettsien oder Babesien übertragen werden. Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.
Gerade im Wipptal, wo viele Menschen beruflich oder in der Freizeit in der Natur unterwegs sind, besteht ein erhöhtes Risiko für Zeckenkontakte. Jäger, Landwirte, Forstarbeiter, Sportler sowie Hunde- und Katzenhalter zählen zu den besonders betroffenen Gruppen. Immer häufiger werden Zecken auch in Gebieten gefunden, in denen sie bislang kaum oder gar nicht aufgetreten sind.
Ein zentraler Bestandteil des Projektes ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Über eine kostenlose Smartphone-App können Zeckenfunde einfach und anonym gemeldet werden. Erfasst werden dabei unter anderem die GPS-Daten des Fundortes, das betroffene Lebewesen (Mensch, Hund, Katze oder Wild), die Anzahl der Zecken sowie ein Foto. Die gesammelten Daten fließen in eine zentrale Datenbank und werden auf einer digitalen Karte dargestellt, die einen Überblick über die aktuelle Zeckensituation bietet.
Besonders wichtig sind auch Meldungen von Zeckenstichen beim Menschen, da diese Rückschlüsse auf das tatsächliche Stichrisiko in einer Region ermöglichen. Auffällige oder ungewöhnliche Zeckenarten sollen zusätzlich dokumentiert werden, um mögliche neue oder eingeschleppte Arten frühzeitig zu erkennen.
Wer wissen will, ob die Zecke Krankheitserreger enthält und ob eine frühzeitige Therapie sinnvoll ist, kann über die Projektseite www.zeckencheck.at ein „Zeckenkit“ bestellen und die Zecke einsenden. Sie wird dann auf die in Tiroler Zecken vorkommende Pathogene untersucht und der Patient über das Resultat sowie allfällige notwendige Therapien informiert.
Begleitend zum Monitoring sind für das Frühjahr Informations- und Schulungsveranstaltungen geplant. Diese richten sich insbesondere an die Jägerschaft, stehen aber auch weiteren Interessierten offen. Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.