Am 7. Februar wurde im Rahmen der Jahresversammlung des Verbandes der Südtiroler Kirchenchöre Franz Seeber aus Ratschings für seine mehr als 65-jährige Tätigkeit als Organist ein besonderer Dank ausgesprochen.
Nach der feierlichen Messe mit Bischof Ivo Muser im Brixner Dom, die vom Stiftschor Neustift musikalisch gestaltet wurde, fand in der Cusanus-Akademie in Brixen die Versammlung mit Ehrungen verdienter Kirchenmusiker statt.
Gemeinsam mit dem Organisten Larone Chizzali aus St. Martin in Thurn und dem Chorleiter Ägidius Überbacher aus Raas wurde Franz Seeber mit der Diözesanmedaille ausgezeichnet, einer besonderen Würdigung für langjährigen, treuen Dienst im Zeichen der Kirchenmusik.
Franz Seeber wurde im Mai 1946 in Ratschings geboren, nur wenige Meter von der Pfarrkirche entfernt. Die Kirchenmusik liegt ihm gewissermaßen im Blut: Bereits sein Urgroßvater David Seeber und sein Ururgroßvater Josef Seeber waren Organisten. Ein Harmonium im Elternhaus bot dem jungen Franz die ersten musikalischen Erfahrungen.
Mit 13 Jahren begann er beim damaligen Pfarrer von Ratschings, Hochwürden Pranter, das Orgelspiel zu erlernen. Franz erinnert sich: „Am Dreikönigstag habe ich mit dem Orgelunterricht begonnen und am Ostermontag das erste Mal bei der heiligen Messe mehrmals das Lied ‚Lobt froh den Herrn‘ zum Besten gegeben.“
Zur Harmonielehre ging er nach Brixen zum damaligen Domorganisten Prof. Frontull. Dort war intensives Üben gefragt: Täglich musste mindestens eine Seite erarbeitet werden. Dennoch, so erzählt Franz schmunzelnd, sei ihm als „Ratschinger Bua“ in Brixen bisweilen „derweilung“ gewesen.
Damals war es üblich, den Pfarrer während der gesamten Messe an der Orgel zu begleiten, von den lateinischen Antworten vor der Präfation bis zum Segen. Franz musste daher alle Tonarten sicher beherrschen, denn es war stets eine Überraschung, in welchem Ton der Priester seine Gesänge anstimmte. Ein Aushilfspfarrer meinte einmal anerkennend: „Na, dass i den Organischt nit draus bring, des gib’s jo net – der hot olm in richtigen Ton glei gfunden.“
Der „Wirts-Franz“ vom Hotel „Seeber“ war nicht nur Organist, sondern auch einige Jahre Chorleiter des damaligen gemischten Kirchenchores. Als zu Beginn der 1980er Jahre viele Chorfrauen nach ihrer Heirat nicht mehr mitsingen durften, löste sich der Chor allmählich auf.
Auch in der Musikkapelle Ratschings war Franz Seeber über Jahrzehnte aktiv: Zunächst spielte er die dritte Klarinette, wechselte später zum Euphonium und schließlich für viele Jahre zur Tuba. Insgesamt war er 58 Jahre aktives Mitglied der Kapelle und zeitweise auch deren Obmann.
Bis heute spielt Franz Seeber an nahezu jedem Sonn- und Festtag die Orgel in seiner Heimatpfarre. Die Pfarrgemeinde weiß dieses außergewöhnliche Engagement sehr zu schätzen und hofft, noch lange von seinem ausgezeichneten und einfühlsamen Spiel begleitet zu werden.