Umwelt
Haushalte zahlen Zusatzkosten
09.04.2026
In Südtirols Abwasser steigt die Fettbelastung. Der Verbraucherschutzverein Robin hat bei den Landesämtern für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft um Auskunft gebeten – und ernüchternde Antworten erhalten.
So räumt das Land laut einer Presseaussendung von Robin ein, dass weder Daten zur tatsächlichen Mehrbelastung der Haushalte noch zur Kostenverteilung zwischen privaten Haushalten und Gastronomiebetrieben vorliegen. Gleichzeitig wird bestätigt, dass die Abwassergebühren ausschließlich nach der Menge und nicht nach der Belastung des Abwassers berechnet werden.
"Das bedeutet: Niemand weiß, wie hoch die Zusatzkosten sind – aber alle zahlen sie. Das ist eine versteckte Mehrbelastung für die Bevölkerung“, so
Walther Andreaus, Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins.
Besonders kritisch sieht Robin, dass das Verursacherprinzip im Abwassersektor de facto nicht angewendet wird. Stark belastetes Abwasser – etwa aus Gastronomie und Tourismus – werde tariflich gleich behandelt wie normales häusliches Abwasser. Zudem ist unklar, ob und wie die gesetzlich vorgeschriebene Entsorgung von Altspeisefetten durch Betriebe tatsächlich kontrolliert wird. Die Landesämter
verweisen hier auf die Zuständigkeit der Gemeinden und betonen gleichzeitig, dass Kontrollen „nicht einfach durchzuführen“ seien.
Für Robin ist das ein klares Zeichen struktureller Defizite: „Wenn niemand systematisch kontrolliert und gleichzeitig keine Daten erhoben werden, können die Kosten auch nicht verursachergerecht verteilt werden.“
Die Landesämter bestätigen einen massiven Rückgang der getrennten Sammlung von Altspeisefetten – von über 1.000 Tonnen im Jahr 2020 auf rund 370 Tonnen im
Jahr 2024. Die fehlenden Mengen werden mit der Eigenverantwortung der Betriebe erklärt. „Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wird dieses Fett tatsächlich korrekt
entsorgt – oder landet es zunehmend im Abwasser?“, so Andreaus.
Derzeit sind auf Landesebene keine Maßnahmen geplant, da die Zuständigkeit bei den Gemeinden liegt. Für Robin ist das nicht akzeptabel: „Hier wird Verantwortung weitergereicht, statt das
Problem zu lösen. Am Ende bleibt die Allgemeinheit auf den Kosten sitzen.“
Der Verbraucherschutzverein fordert daher:
• eine transparente Erhebung der tatsächlichen Zusatzkosten
• eine verursachergerechte Gebührenstruktur
• wirksame und koordinierte Kontrollen
• sowie die konsequente Anwendung technischer Normen und gesetzlicher Grenzwerte
„Das Verursacherprinzip darf kein Lippenbekenntnis sein. Wer Abwasser überdurchschnittlich belastet, muss auch für die Folgekosten aufkommen“, so Andreaus.
Der Verbraucherschutzverein kündigt an, das Thema weiter zu verfolgen und gegebenenfalls auch auf staatlicher Ebene überprüfen zu lassen.