Kultur
Die Linie als Ausgangspunkt
06.05.2026
Der Kulturverein LURX eröffnet am 8. Mai die Ausstellung „Kontur“ des Brixner Künstlers Raphael Mur.
Am Anfang steht die Linie. Schwarz auf Weiß – eine erste Setzung, die weder festlegt noch abschließt, sondern Entwicklung ermöglicht. Aus dem Kontrast entsteht die Kontur, aus der Kontur das Geflecht und das Geflecht folgt keiner Wiederholung. Genau dort beginnt Raphael Murs zweite Soloausstellung „Kontur“, die am 8. Mai im LURX – Raum für Kunst und Kultur in der Sterzinger Altstadt eröffnet wird. Jedes Bild folgt einem eigenen Prozess, jede Linie wird zur Entscheidung innerhalb eines offenen Systems.
„Mich interessiert der Moment, in dem eine Linie zur Entscheidung wird und gleichzeitig offen bleibt für das, was noch entstehen kann“, so Mur. Seine Zeichnungen sind keine Vorstudien, sondern eigenständige Fragmente, die sich zu größeren Zusammenhängen verdichten – eine Zettelwirtschaft, die sich selbst überlebt. Ergänzt wird die Ausstellung durch großformatige Gemälde auf Leinwand. Im Unterschied zu früheren Werkzyklen verzichtet Mur in „Kontur“ auf zentrale Motive oder Figuren. Stattdessen entstehen vernetzte Bildräume, die an organische Wachstumsprozesse erinnern. Der Künstler beschreibt diesen Ansatz als „Myzellieren“ – ein Verweis auf unterirdische Pilzgeflechte, die sich verzweigen und verbinden, ohne klaren Ursprung. Wer genau hinschaut, sieht nicht nur Linien. Er sieht Entscheidungen.
Mur wurde 1992 in Altötting in Deutschland geboren und studierte Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Nach drei Semestern verließ er die Akademie und setzte seine Ausbildung als Meisterschüler bei Dalip Kryeziu in Gießen fort. Heute lebt und arbeitet er in Brixen. Nach seiner ersten Soloausstellung „Aufwind“ in Neumarkt 2025 zeigt er mit „Kontur“ eine ruhigere, formal konzentrierte Weiterentwicklung seines künstlerischen Schaffens.
Die Ausstellung ist bis Ende Juni zugänglich.