Gesundheit
Bereits Neunjährige in Behandlung
08.05.2026
Bei einer Fachfortbildung in Bozen hat Laura Dalla Ragione, die größte Essstörungsexpertin Italiens, Alarm geschlagen: Immer mehr Junge und Erwachsene leiden an einer Essstörung. 2024 wurden in Italien drei Millionen Patienten behandelt – vor allem Mädchen und Frauen, aber auch Jungen und Männer.
Essstörungen treten häufig zusammen mit anderen psychischen Krankheiten wie Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen auf. Neben Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und Binge-Eating (exzessives Essen) leiden auch immer mehr Menschen an einer restriktiven Essstörung. Im Gegensatz zu Menschen mit Magersucht fühlen sich Betroffene nicht zu dick, obwohl sie längst viel zu dünn sind. Sie bemerken ihren Gewichtsverlust zwar, vermeiden aber weiterhin bestimmte Speisen aus Angst. Wenden sich Patienten wegen ihres niedrigen Gewichts, Schwächezuständen, einem Mangel an Zucker und Salzen oder Herzrhythmusstörungen an die Notaufnahme, werden in Italien lediglich 15 Prozent der Patienten tatsächlich im Krankenhaus aufgenommen.
Das Suizidrisiko ist bei Menschen mit Essstörungen sechsmal höher als in der Allgemeinbevölkerung – und steigt besonders dann, wenn eine Gewichtszunahme endlich gelingt. Im Jahr 2025 starben in Italien 4.158 Menschen an den Folgen von Essstörungen. In Südtirol ist die Sterberate niedriger, da sich das Netzwerk EATNET engagiert um Erkrankte kümmert.
Allerdings hat sich die Zahl der neu erkrankten Patienten mit Essstörungen bei unter 14-Jährigen in Südtirol zwischen 2022 und 2024 verdoppelt. Betroffen sind bereits Neunjährige.
Um Essstörungen angemessen behandeln zu können, sind fachliche und organisatorische Voraussetzungen nötig. In Südtirol ist nach wie vor unklar, welche Abteilung gefährdete Patienten im Krankenhaus aufnehmen und behandeln soll. Aktuell werden Minderjährige überwiegend in der Pädiatrie Brixen behandelt, die als landesweites Exzellenzzentrum gilt. Ein solches Zentrum ist für Erwachsene an der Psychiatrie Brixen geplant. Bis zur Eröffnung müssen sich die Abteilungen Subintensiv, Innere Medizin und vor allem Psychiatrie in abgesprochener Weise die Betreuung der Patienten teilen.
Roger Pycha, Primar des Psychiatrischen Dienstes Brixen und Leiter des Netzwerks für Essstörungen, betont in einer Aussendung, wie wichtig es ist, dass Netzwerke leicht erreichbar sind, sich aus verschiedenen Fachgebieten zusammensetzen und unterschiedliche Betreuungsstufen anbieten - von der Sensibilisierung und Prävention bis hin zur Aufnahme in der Intensivstation.
(Foto: © pixabay)