Wirtschaft
AFI-Barometer: Zeitdruck größte Belastung
11.05.2026
Die Arbeitnehmer in Südtirol bewerten ihre Arbeitsbedingungen mehrheitlich positiv. Dies geht aus dem aktuellen AFI-Barometer hervor. Leise Kritik gibt es vor allem bei der Entlohnung. Als größter Belastungsfaktor erweist sich der Zeitdruck. „Er ist mitverantwortlich für viele Arbeitsunfälle sowie zahlreiche chronische Erkrankungen“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini.
Die Frühjahrsausgabe des AFI-Barometers hat u. a. in den Blick genommen, wie lohnabhängig Beschäftigte in Südtirol zentrale Aspekte ihrer Arbeitsbedingungen einschätzen und welche Stressfaktoren sie besonders belasten.
Insgesamt zeichnet sich ein erfreuliches Bild, insbesondere bei den kollektiven Rahmenbedingungen: Das Image des eigenen Arbeitgebers, die gesellschaftliche Stellung der Arbeitnehmer:innen sowie der Führungsstil der Vorgesetzen werden überwiegend positiv bewertet.
Weniger zufrieden zeigen sich die Befragten mit ihren individuellen Entwicklungsperspektiven. Weiterbildungsmöglichkeiten, Karrierechancen und vor allem die Entlohnung schneiden schwächer ab und relativieren das insgesamt positive Gesamturteil. Auffällig sind die zurückhaltenden Einschätzungen von Beschäftigten in der Landwirtschaft und im Verarbeitenden Gewerbe sowie von jungen Arbeitnehmer unter 30 Jahren.
Der größte Stressfaktor am Arbeitsplatz ist eindeutig der Zeitdruck. Vier von zehn Beschäftigten fühlen sich dadurch sehr stark bzw. eher stark belastet, während nur rund ein Drittel darin kein Problem sieht. Besonders ausgeprägt scheint diese Belastung im Baugewerbe zu sein, was das AFI durchaus kritisch einordnet „Gerade in diesem Sektor steigt bei hohem Zeitdruck nachweislich das Risiko schwerer Arbeitsunfälle“, betont Perini.
Auch Personen in der sogenannten „Rush-Hour des Lebens“ (30 bis 49 Jahre) sind überdurchschnittlich betroffen. „In dieser Lebensphase treffen berufliche Anforderungen häufig mit privaten Verpflichtungen wie Familiengründung, Hausbau und Karriereentwicklung zusammen“, so Perini.
Technisch-organisatorische Veränderungen werden von rund einem Drittel der Befragten als belastend empfunden. Klassische Umgebungsfaktoren wie Lärm, schlechte Luft oder Schmutz spielen hingegen eine vergleichsweise geringere Rolle.