Kultur
Jazzfestival macht Halt im Wipptal
22.06.2026
Zehn Tage lang – vom 26. Juni bis zum 5. Juli – gibt in Südtirol wieder der Jazz den Ton an. Das Südtirol Jazzfestival verwandelt das Land in eine Bühne für mehr als 50 Konzerte mit Fokus auf zeitgenössischen europäischen Jazz. Die teils ungewöhnlichen Spielorte reichen bis zu schwindelerregend alpinen und musikalischen Höhen, mit internationalen Jazzgrößen, abseits des Mainstreams. Drei Konzerte werden im Wipptal gespielt. Kuratiert wird das Festival von Stefan Festini Cucco, Max von Pretz und Roberto Tubaro. Über einen Abenteuerspielplatz, eine Sternwanderung und den Höhenrausch.
Am 1. Juli ist auf dem Stadtplatz von Sterzing die belgische Jazzposaunistin und Komponistin Nabou Claerhout zu hören, eine der vielversprechendsten neuen Stimmen des belgischen Jazz. Sie leitet das gleichnamige Quartett „Nabou“, das für melodischen, kraftvollen Modern Jazz steht. Zwischen kompositorischer Stringenz und einem fast beiläufigen Groove balanciert Claerhout ihr Quartett in Richtung mutiger Offenheit. Gemeinsam entsteht ein kollektives Gefüge, das Kontraste nicht erzwingt, sondern organisch wachsen lässt. Es ist eine Musik, die Oberflächen erforscht und der Stille Gewicht verleiht – ein kluges, tiefenentspanntes Statement. Konzertbeginn ist um 21.00 Uhr.
Matthias Schriefl & Musikkapelle Schabs
Wenn der Allgäuer Multiinstrumentalist Matthias Schriefl am 3. Juli auf die Musikkapelle Schabs trifft und Musiker seiner „Brazilian Motions“ dazukommen, wird die imposante Festung Franzensfeste zum musikalischen Abenteuerspielplatz. Schriefl, der Grenzgänger, bietet kein brav gepflegtes Crossover oder folkloristische Gesten, sondern ein klangliches Manifest, das die Statik der Traditionen genussvoll aushebelt. Ein musikalischer Gedankenaustausch, bei dem alle Beteiligten mit einem feinen Augenzwinkern und spielerischer Unverfrorenheit demonstrieren, wie viel Weltläufigkeit in der Heimat steckt. Konzertbeginn ist um 20.00 Uhr.
Jazz & Hike: Brazilian Motions
Jazz & Hike ins Knappendorf St. Martin am Schneeberg bietet schließlich ein gänzlich neues Format, bei dem am 5. Juli zwischen Ridnaun und Passeier Landschaft und Klang zu einer Bühne verschmelzen. Dabei begibt sich Matthias Schriefl und sein Ensemble „Brazilian Motions“ auf eine Sternwanderung durch die Südtiroler Vertikale. Choro oder Baião-Elemente infiltrieren die Bergwelt, wenn die Musiker in zwei Gruppen geteilt und vom Publikum begleitet von verschiedenen Seiten aufsteigen: Während sich die eine Gruppe von Ridnaun bzw. von der Lazzacher Talseite aus über die Schneebergscharte auf den Weg ins Knappendorf am Schneeberg macht, wandert die andere vom Passeiertal aus über Seemoos nach St. Martin am Schneeberg (2.355 m). Gegen 12.00 Uhr treffen die beiden Gruppen dort zu einem kollektiven Höhenrausch zusammen. Die Texte von Patricia Cruz über „Maria“ als Symbol des göttlich Weiblichen bilden die Grundlage für ein kreatives Wechselspiel zwischen intimer Innenschau und eruptiver Virtuosität. Ein Konzert, das geografische, natürliche und gesellschaftliche Grenzen überwindet. Treffpunkt für die Wanderung in Ridnaun und Passeier ist um 8.30 Uhr; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das gesamte Programm unter suedtiroljazzfestival.com.
(Foto: © Günther Pichler)