Politik
Land setzt auf Zusammenarbeit mit Gemeinden
21.06.2026
Viele Gemeinden stehen vor der Herausforderung, ausreichend leistbaren Wohnraum für die ansässige Bevölkerung zu schaffen. Um die Gemeindevertreter über das "Wohnen mit Preisbindung" zu informieren und erste Beispiele für diese neue und zusätzliche Form des geförderten Wohnbaus vorzustellen, hat die Landesabteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung Mitte Juni ein Seminar in Bozen organisiert. Unter den 100 Teilnehmern aus 60 Gemeinden waren auch zahlreiche Bürgermeister.
"Die Gemeinden sind der Schlüssel für mehr leistbaren Wohnraum. Mit dem Konzept des Wohnens mit Preisbindung schaffen wir eine Möglichkeit, neuen Wohnraum zu entwickeln, der nicht der Spekulation dient, sondern den Menschen vor Ort zugutekommt", so Landesrat für Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz und Raumentwicklung Peter Brunner. "Wir möchten die Bürgermeister von diesem Modell überzeugen und gemeinsam dafür sorgen, dass in immer mehr Gemeinden dauerhaft leistbare Wohnungen entstehen – ein Ansatz, der breite Zustimmung findet."
"Das Modell des Wohnens mit Preisbindung bietet eine wirkungsvolle und zukunftsorientierte Lösung. Ziel des Seminars war es deshalb, den Gemeinden das notwendige Wissen und konkrete Beispiele mitzugeben, damit sie dieses neue Instrument selbstbewusst einsetzen und aktiv zur Schaffung von leistbarem Wohnraum beitragen können", erklärte Organisator David Barlini vom Landesamt für Landschafts- und Gemeindeplanung.
Rechtsanwalt Paul Lintner gab einen Überblick über die Grundsätze der Artikels 39 und 40 des Landesgesetzes 9/2018 "Raum und Landschaft", in denen das Wohnen für Ansässige verankert ist und informierte über den Verfahrensablauf. Lisa Ploner, Projektleiterin Arche im KVW, stellte das Projekt "Wohnungen mit Preisbindung - Marillenanger in Schlanders" vor. Der Baubeginn für die 16 Wohneinheiten ist im Frühjahr 2026 erfolgt. Dabei fungiert die Arche im KVW als Bindeglied zwischen Gemeinde, Bauträger und Interessenten. "Diese Form zur Schaffung von leistbarem Wohnraum ist besonders geeignet für größere Zonen, wo die umfassende Information und Beratung der Interessenten entscheidend ist. Die Umsetzung konnte auf diese Weise um rund eineinhalb Jahre schneller erfolgen", so ihr Fazit. Architekt Elmar Unterhauser von EU Architects ging am Beispiel des Wohnbauprojekts "Marillenanger" in Schlanders auf Möglichkeiten der Kostenoptimierung sowie auf die Optimierung der Tragwerkslösung und die Langlebigkeit der Baumaterialien ein. Er schloss mit einem kurzen historischen Überblick zur Thematik des einfachen und günstigen Wohnens.
Modell "Wohnen mit Preisbindung"
Kernpunkt des Wohnens mit Preisbindung ist eine Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Antragsteller: Nach deren Unterzeichnung erhält der Antragsteller die Baugenehmigung für die Errichtung der Wohnungen mit Preisbindung, die 60 Prozent des gesamten Bauvolumens ausmachen müssen. Der Bauträger verpflichtet sich, davon mindestens 40 Prozent Wohnraum für den geförderten Wohnbau und 20 Prozent für Ansässige zu realisieren. Die Preisbindung ist für 20 Jahre aufrecht. Auch nach dem Ablauf dieser Zeit bleibt das Wohnen für Ansässige als Bindung aufrecht.
(LPA; Foto: © Fabio Brucculeri)