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Home → News → Risikofaktor: Rohöl- und Erdgaspreise - 17.07.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Wirtschaft

Risikofaktor: Rohöl- und Erdgaspreise

17.07.2026
Trotz des schwierigen geopolitischen Umfelds hellen sich sämtliche vom AFI erhobenen Stimmungsindikatoren der Südtiroler Arbeitnehmer leicht auf. Die Zwischenbilanz 2026 fällt zufriedenstellend aus. „Die aktuelle Lage stellt sich insgesamt solide dar“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini. Zugleich warnt er davor, die mittelfristigen Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren: „Der demografisch bedingte Rückgang des Arbeitskräfteangebots und die nur verhalten steigende Arbeitsproduktivität dämpfen die Wachstumsperspektiven der Südtiroler Wirtschaft.“

Es war einmal … der Energiepreisschock: Das noch vor drei Monaten befürchtete Eskalationsszenario ist bislang ausgeblieben. Die Lage im Nahostkonflikt bleibt angespannt – die Bemühungen für eine diplomatischen Lösung bleiben nach wie vor aufrecht. Auch die Aktienmärkte haben sich nach den deutlichen Kursverlusten im April spürbar erholt. Der anhaltende KI-Boom stützt insbesondere die Bewertungen großer Technologiekonzerne. Insgesamt erweist sich die Weltwirtschaft trotz erratischer Handelspolitik und anhaltender Lieferkettenprobleme als bemerkenswert robust. In der Zinspolitik zeichnet sich eine asymmetrische Entwicklung ab: Während die EZB zu Zinserhöhungen tendiert, stellt Kevin Warsh, neu ernannter Vorsitzender der US-Notenbank (Fed), Zinssenkungen in Aussicht.

Im Euroraum belasten die Aufwertung des Euro, der intensive Wettbewerb mit chinesischen Unterneh-men, steigende Verteidigungsausgaben und die US-Zölle weiterhin die wirtschaftliche Dynamik. Dennnoch dürfte das Wachstum im Euroraum positiv bleiben: Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2026 mit Zuwachsraten zwischen +0,5 und +1,0 Prozent. Setzt man eine Entspannung im Nahostkon-flikt voraus, dürften die Folgen des Energiepreisschocks für die Verbraucherpreise begrenzt bleiben. Die Inflationsrate sollte sich 2026 in einer Bandbreite von 2 bis 3 Prozent bewegen. Die Arbeitsmarktindikatoren in der EU bleiben robust und signalisieren eine weiterhin stabile Beschäftigungslage.
In seinem Juli-Update prognostiziert der IWF für 2026 folgende Wachstumsraten: Euroraum +0,9 Prozent, Deutschland +0,7 Prozent und Italien +0,5 Prozent.

SÜDTIROLS WIRTSCHAFT: Zufriedenstellende Zwischenbilanz 2026

Das quantitative Wachstum am Südtiroler Arbeitsmarkt setzte sich auch im ersten Jahresabschnitt 2026 fort. Im Schnitt waren in den ersten sechs Jahresmonaten 234.386 Personen unselbstständig beschäftigt (+2,0% zum Vergleichszeitraum 2025). Rund 40 Prozent des Beschäftigungszuwachses entfielen auf das Gast-gewerbe. Im ersten Quartal 2026 lag die Erwerbstätigenquote bei 73,0 Prozent, die Arbeitslosenrat bei niedrigen 1,9 Prozent. Zugleich verweist das ASTAT auf eine „Stille Reserve“ von knapp 8.000 Personen, die noch für den Arbeitsmarkt mobilisiert werden könnte. Auch der Tourismus startete erfolgreich in das Jahr: In den ersten fünf Monaten stieg die Zahl der Übernachtungen um +4,4 Prozent. Die Inflation in Bozen erhöhte sich vor dem Hintergrund des internationalen Energiepreisschocks bis Mai auf 3,4 Prozent, blieb damit jedoch deutlich unter den Werten des Energiepreisschocks im Jahr 2022. Seit Jahresbeginn beträgt die kumulierte Teuerung 2,5 Prozent. Am Kreditmarkt setzte sich der im Frühjahr 2025 einsetzende Aufwärtstrend fort. Das durch-schnittliche Plus von +2,9 Prozent von eingeräumten Krediten gegenüber 2025 deutet darauf hin, dass die Unternehmen ihre Investitionstätigkeit wieder ausweiten. Im ersten Quartal 2026 blieb die Exportentwicklung hingegen verhalten, mit einem Wachstum von nicht mehr als +0,9 Prozent.

Sämtliche Indikatoren verbessern sich

Südtirols Arbeitnehmer blicken auch im Sommer 2026 mehrheitlich zuversicht-lich in die Zukunft. Gegenüber der Befragung vor drei Monaten hat sich die Stimmung leicht verbessert: Sämtliche Indikatoren sind stabil oder weisen nach oben. Für die Südtiroler Wirtschaft erwarten 30 Prozent der Befragten für die nächsten 12 Monate eine Verbesserung, 58 Prozent eine unveränderte Lage und 12 Prozent eine Verschlechterung. Der Vertrauensindex verharrt mit +9 im leicht positiven Bereich. Zudem rechnen die Befragten perspektivisch mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. Das wahrgenommene Risiko, den eige-nen Arbeitsplatz zu verlieren sinkt erneut, während die Chancen, bei Bedarf eine gleichwertige Stelle zu finden, besser eingeschätzt werden. Auch die Indikatoren zur finanziellen Lage der Arbeitnehmerhaus-halte hellen sich auf: In der Sommerwelle geben 25 Prozent an, Schwierigkeiten zu haben, mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen (Index: -2). Zugleich erwarten 44 Prozent der Befragten, in den kommenden zwölf Monaten keine Rücklagen bilden zu können (Index: +9). Für beide Indikatoren sind das die besten Werte seit der Corona-Pandemie.

BIP-Prognose: Wachstum von +0,9 Prozent für Südtirol bleibt 2026 in Reichweite

Mehrere Rahmenbedingungen bleiben für die Südtiroler Wirtschaft günstig. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Die Kreditdynamik gewinnt nach der Schwächephase wieder an Fahrt und stützt die Investitionstätigkeit. Im Tourismus profitieren sichere und gut erreichbare Destinationen wie Südtirol von Verschiebungen im globalen Reiseverhalten infolge geopolitischer Krisen. Auch der Rekordhaushalt des Landes Südtirol von 8,8 Milliarden Euro stabilisiert Wirtschaft und Investitionen. Nahezu alle Stimmungsindikatoren der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich verbessert.

Der größte Risikofaktor bleibt derzeit die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise sowie mögliche Versorgungsengpässe. Ein erneuter Preisschub könnte die Inflation anheizen und den privaten Konsum be-lasten. Hinzu kommt eine voraussichtlich schwache Exportdynamik; insbesondere im Dollarraum dürften sich die Absatzbedingungen verschlechtern. Steigende Kreditzinsen könnten zudem die Finanzierungsbedingungen belasten. Eine weitere Herausforderung bleibt die angespannte finanzielle Lage vieler Südtiroler Arbeitnehmerhaushalte infolge der realen Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre. Diese Entwicklungen, Negativszenarien miteingeschlossen, schlagen sich allerdings aktuell noch nicht in den volkswirtschaftlichen Eckzahlen nieder.

Das vom AFI für 2026 prognostizierte Wirtschaftswachstum von +0,9 Prozent für Südtirol bleibt damit in Reichweite. Im Vergleich mit den Partnerinstituten liegt die AFI-Prognose im Mittelfeld (ASTAT: +1,0%; WIFO: Bandbreite von +0,5% bis +0,9%).
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