Umwelt
Schmetterlinge reagieren auf Klimawandel
08.08.2026
Eine neue Studie zeichnet anhand von Daten aus 105 Ländern erstmals ein globales Bild: Der Klimawandel verändert die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingen weltweit stärker als bisher angenommen. Eurac Research hat Beobachtungen zu Südtirol und dem Alpenraum beigesteuert.
Auf allen Kontinenten verändern sich die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingsarten in bislang unterschätztem Ausmaß. Dies zeigt eine internationale Studie, die mehr als 6.100 dokumentierte Veränderungen der Verbreitungsgebiete von 1.758 Arten auswertete. Fast 80 Prozent dieser Veränderungen hängen mit dem Klimawandel und extremen Wetterereignissen zusammen. Um die Entwicklungen weltweit möglichst vollständig zu erfassen, werteten die Forschenden auch Veröffentlichungen aus, die nicht auf Englisch erschienen sind. Außerdem steuerten 68 Experten Beobachtungen bei, darunter der Biologe Elia Guariento von Eurac Research. Die Studie ist heute in der Zeitschrift „Nature Ecology & Evolution“ erschienen.
Die Studie unter Leitung der Monash University in Melbourne (Australien) zeigt, dass 80 Prozent der Arten ihr Verbreitungsgebiet ausdehnten und neue Gebiete besiedelten. Gleichzeitig schrumpfte das Verbreitungsgebiet von 27 Prozent der Arten, und 22 Prozent der Arten wanderten in andere Höhenlagen, um geeignete Lebensbedingungen zu finden.
„Dass Arten höhere Lagen besiedeln und sich neue Arten ausbreiten, beobachten wir in Südtirol und generell im sich rasch erwärmenden Alpenraum deutlich“, erklärt der Biologe Elia Guariento, der seit fast zehn Jahren in Österreich und Südtirol Schmetterlinge erhebt – in Südtirol seit 2019 systematisch im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings. „Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Arten in Höhen vorgefunden, in denen wir sie nicht erwarteten, zum Beispiel den Apollofalter. Diese Untersuchung bestätigt, dass dies auch global ein deutliches Muster ist.“
Die Daten dokumentieren vor allem die Ausdehnung von Verbreitungsgebieten weil dieser Aspekt der Veränderung am einfachsten nachzuweisen ist, erklärt Guariento: „Taucht in einem Gebiet eine Art auf, die dort vorher nie beobachtet wurde, wird dies meist schnell registriert. Wenn Arten zurückgehen, weil sie nicht mehr die richtigen Bedingungen vorfinden, oder sogar verschwinden, bleibt das oft lange unbemerkt. Um solche Entwicklungen genau zu verfolgen, braucht es langfristige Monitoringprogramme, von denen es noch viel zu wenige gibt.“
Gerade viele Weltregionen mit besonders hoher Artenvielfalt, wie die Tropen, sind in der Forschung noch fast blinde Flecken, über die man sehr wenig weiß. Wo die Datenlage besser ist, ergibt sich ein Bild tiefgreifenden Wandels: In 32 Ländern wurden Verbreitungsveränderungen bei einem Viertel ihrer bekannten Schmetterlingsarten dokumentiert, in zehn Ländern sogar bei mehr als der Hälfte.
Die Untersuchung – die bisher größte ihrer Art – analysierte auch die Ursachen der Veränderungen. Die Ausdehnung von Verbreitungsgebieten und die Wanderung in höhere Lagen hängen vor allem mit der Klimaerwärmung und extremen Wetterereignissen zusammen. Wenn Verbreitungsgebiete schrumpfen spielen dagegen häufig Landnutzungsänderungen wie die Intensivierung der Landwirtschaft oder der Verlust von Feuchtgebieten eine wichtige Rolle.
Schmetterlinge gehören zu den am besten erforschten Insektengruppen. Weil man ihre Ansprüche an den Lebensraum gut kennt, eignen sie sich hervorragend als Bioindikatoren für ökologische Veränderungen. „Sie sind ein Frühwarnsystem“, sagt Guariento. „Die Ergebnisse der Studie sind deshalb wirklich alarmierend. Wenn sich die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingen so stark verändern, können wir davon ausgehen, dass dies auch für andere Insektengruppen gilt. Nur wissen wir es dort mangels Daten nicht.“
Die Studie ist frei zugänglich unter: https://www.nature.com/articles/s41559-026-03117-y
Im Bild der Pelargonien-Bläuling (Cacyreus marshalli). Er stammt ursprünglich aus dem Süden Afrikas. Durch den Handel mit
Zierpflanzen wurde er nach Europa eingeschleppt, wo er mittlerweile dank
der milderen Temperaturen in mehreren Regionen verbreitet ist. Foto © Eurac Research | Elia Guariento