Wenn das Thermometer über 30 Grad steigt, verliert der Körper durch das Schwitzen nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralstoffe. Welche Nährstoffe der Körper jetzt besonders braucht und warum Elektrolytgetränke meist nicht notwendig sind, erklärt der geschäftsführende Primar des Dienstes für Diätetik und klinische Ernährung des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Dr. Michael Kob.
Viele greifen an heißen Tagen automatisch zu Salaten oder leichter Kost – eine gute Entscheidung, denn der Körper wird bei hohen Temperaturen weniger belastet. Doch nicht nur die Art der Mahlzeiten spielt eine Rolle, sondern auch deren Zusammensetzung. „Entgegen einer weit verbreiteten Annahme gehen durch das Schwitzen keine relevanten Mengen an Vitaminen verloren“, erklärt Dr. Kob. „Eine vitaminreiche Ernährung bleibt dennoch wichtig. Besonders empfehlenswert sind Obst und Gemüse mit einem hohen Vitamin-C-Gehalt wie Beeren, Kiwis, Zitrusfrüchte und Paprika sowie karotinoidreiche Lebensmittel wie Karotten und Marillen. Auch grünes Blattgemüse liefert wertvolles Folat.“
Besonders sinnvoll sind im Sommer wasserreiche Lebensmittel. Gurken, Tomaten, Melonen, Pfirsiche oder Sellerie versorgen den Körper gleichzeitig mit Flüssigkeit sowie wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. „Mit dem Schweiß verliert der Körper vor allem Natrium und Chlorid sowie Kalium. In deutlich geringeren Mengen gehen auch Magnesium und Kalziumverloren“, erklärt Dr. Kob. Kalium liefern beispielsweise Bananen, Spinat oder Trockenfrüchte. Magnesium steckt unter anderem in Nüssen, Vollkornprodukten und – zur Freude vieler – auch in kleinen Mengen dunkler Schokolade oder Kakao. Kalzium findet sich in Milchprodukten und kalziumreichem Mineralwasser.
Auch beim Salz gilt: Weniger ist oft mehr. „Für gesunde Menschen reicht eine ausgewogene Ernährung normalerweise aus, um Natriumverluste auszugleichen. Zusätzliches Salz oder spezielle Präparate sind im Alltag in der Regel nicht notwendig.“ Wer an heißen Tagen stark schwitzt, kann Natriumverluste einfach über normale Mahlzeiten oder eine leichte Gemüse- oder Fleischbrühe ersetzen. Auf sehr scharfe Speisen sollte hingegen eher verzichtet werden, da sie das Schwitzen zusätzlich anregen können.
Elektrolytgetränke werden häufig als notwendige Unterstützung an heißen Tagen beworben. Tatsächlich sind sie nach Einschätzung des Ernährungsexperten jedoch nur in bestimmten Situationen sinnvoll, beispielsweise bei lang andauernden Ausdauerbelastungen, körperlich schwerer Arbeit in großer Hitze oder bei starkem Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall. „Für die überwiegende Mehrheit der Menschen reichen ausreichend Wasser und eine ausgewogene Ernährung völlig aus, um den Mineralstoffhaushalt im Gleichgewicht zu halten.“
Besondere Aufmerksamkeit gilt älteren Menschen, Menschen mit Demenz oder eingeschränktem Durstgefühl, Säuglingen und Kleinkindern, Personen, die im Freien arbeiten, sowie Menschen, die entwässernde Medikamente einnehmen: „Gerade bei älteren Menschen ist das Durstgefühl oft kein verlässliches Warnsignal. Deshalb sollte regelmäßig getrunken werden – am besten Wasser oder ungesüßter Tee. Große Mengen koffeinhaltiger Getränke sind hingegen nicht empfehlenswert“, so Dr. Kob. Bei Unsicherheiten sollten Trink- und Ernährungsgewohnheiten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und den richtigen Lebensmitteln lässt sich der Körper auch an diesen heißen Tagen optimal unterstützen.