Mitte September feierte der Bergrettungsdienst Gossensaß/Pflersch in der Ladurnerhütte gleich drei runde Jubiläum: Vor 70 Jahren wurde die Bergrettung Gossensaß gegründet, vor 50 Jahren die Bergrettung Pflersch; und vor 30 Jahren haben sich beide zu einer gemeinsamen Ortsstelle zusammengeschlossen.
„Hinter diesen 70 Jahren stehen nicht einfach sieben Jahrzehnte Vereinsgeschichte. Dahinter stehen Menschen. Menschen, die bereit waren und sind, ihre Freizeit zu opfern, ihre Familien zurückzulassen, ihre Arbeit zu unterbrechen und bei jedem Wetter dorthin zu gehen, wo andere nicht mehr weiterkommen“, so Rettungsstellenleiter Thomas Windisch in seiner Festrede bei der Jubiläumsfeier. „Dahinter stehen vor allem auch viele Menschen, die dank der Bergrettung wieder gesund nach Hause gekommen sind.“
Als die Bergrettung Gossensaß am 2. Jänner 1956 gegründet wurde, waren die Berge rund um Gossensaß und Pflersch dieselben wie heute. Die Möglichkeiten der Rettung waren allerdings völlig andere. „Es gab kein Handy, kein GPS und keine digitale Alarmierung“, betonte Windisch. Kam es zu einem Unfall, mussten sich die Helfer zu Fuß auf den Weg machen, mit Seil, Trage und dem wenigen Material, das damals zur Verfügung stand.
Vor 50 Jahren, im Jahr 1976, entstand die Bergrettung Pflersch als eigene Ortsstelle. Von diesem Zeitpunkt an stand auch das Pflerschtal mit einer eigenen, fest verwurzelten Mannschaft für die Rettung im Gebirge bereit. Zwei Jahrzehnte lang wirkten Gossensaß und Pflersch eigenständig weiter. „1996 vereinten sich alle hinter einer gemeinsamen Zukunftsvision: der Bergrettung Gossensaß/Pflersch. Diese Vision wurde Wirklichkeit und wird bis heute von allen mit Stolz getragen“, betonte Windisch.
Heute erleichtern moderne Technik und Ausrüstung die Arbeit der Bergretter. „Aber bei allen technischen Entwicklungen hat sich eines nicht verändert: Niemand rettet allein. Bergrettung ist Mannschaftsarbeit“, sagte Windisch und verwies auch auf die Bedeutung von Ausbildung und Teamarbeit.
Ein besonderer Dank galt bei der Feier den Familien der Bergretter. „Unsere Partner sowie unsere Kinder und Familien tragen diese Tätigkeit mit“, betonte er; zudem dankte er den Partnerorganisationen für die Zusammenarbeit und erinnerte an die verstorbenen Kameraden. Ein besonderer Augenblick war die Ernennung von Peter Thaler und Paul Seidner zu Ehrenmitgliedern. Reinhard Holzer wurde für 40 Jahre beim BRD geehrt, Thomas Windisch für 25 Jahre.
Mit Blick auf die Zukunft betonte Windisch: „Unsere Mannschaft ist unser größtes Kapital.“ 70 Jahre Bergrettung seien nicht nur Anlass zur Freude, sondern auch eine Verpflichtung für die Zukunft. „Denn wenn irgendwo in unseren Bergen jemand in Not gerät, dann soll auch in Zukunft gelten: Die Bergrettung Gossensaß/Pflersch kommt.“
Zum Jubiläum gratulierten auch der BRD-Landesleiter Thomas Hellrigl, Bürgermeister Martin Alber sowie die Vertreter von Behörden und Zivilschutz.
Vor 70 Jahren
14 Männer gründeten am 2. Jänner 1956 die Bergrettungs-Ortsstelle Gossensaß: Alois Amort, Ferdinand Egarter, Hubert Girtler, Max Gogl, Karl Gschnitzer, Hermann und Robert Heidenberger, Oswald und Otto Holzer, Karl Nußbaumer, Franz und Paul Pittracher, Rudolf Schneider und Bruno Vigl. „Sie haben nicht darauf gewartet, dass jemand anderer die Verantwortung übernimmt. Sie haben selbst Verantwortung übernommen“, betonte Thomas Windisch. Bis 1970 war die Ortsstelle zunächst den Rettungsstellen Sterzing und Bozen zugeordnet. Danach arbeitete sie eng mit Sterzing, Ridnaun und Pflersch zusammen.
Im Bild (v. l.) Thomas Windisch, Reinhard Holzer, Paul Seidner und Peter Thaler sowie BRD-Landesleiter Thomas Hellrigl