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Home → News → Gemeinsam zurückblicken, Verantwortung tragen und Zukunft gestalten - 06.10.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Gesellschaft

Gemeinsam zurückblicken, Verantwortung tragen und Zukunft gestalten

06.10.2026
Kürzlich hat das Südtiroler Kinderdorf sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. Beim Festakt auf dem Sportplatz würdigten Vertreter aus Politik und Kirche die Entwicklung der Einrichtung. Mitglieder der Kinderdorfgemeinschaft gaben persönliche Einblicke in Leben und Arbeit im Südtiroler Kinderdorf.

Nach einem Aperitif auf dem Dorfplatz, musikalisch umrahmt vom Judit Pixner Trio, wurde der Festakt
musikalisch von der A-Cappella-Gruppe Choriosum eröffnet und begleitet.

In seinen Grußworten hob Bürgermeister Andreas Jungmann die langjährige Verbindung zwischen Brixen und dem Südtiroler Kinderdorf hervor. „Das Kinderdorf liegt nicht am Rand der Stadt, sondern mitten in unserem sozialen Gefüge.“ Er erinnerte an die Menschen, die dessen Geschichte über sieben Jahrzehnte geprägt und begleitet haben.

Landesrätin Rosmarie Pamer würdigte den Mut des Südtiroler Kinderdorfes zur Veränderung und die kontinuierliche Weiterentwicklung im Einklang mit den gesellschaftlichen Veränderungen und den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und Familien. Sie unterstrich die Bedeutung von Prävention, gesellschaftlicher Verantwortung und der Stärkung von Familien hervor und dankte den zahlreichen Ehrenamtlichen, Freiwilligen und Fachkräften für ihren Einsatz. Für die Zukunft wünschte sie dem Kinderdorf weiterhin Mut zu neuen Wegen, Visionen und gelebter Menschlichkeit und Empathie.

Bischof Ivo Muser stellte in seinen Ansprache die beiden Begriffe „Kinder und Dorf“ in den Mittelpunkt. Kinder seien Zukunft, Hoffnung und Perspektive und gehörten deshalb in unsere Mitte. Zugleich brauche es ein ganzes Dorf, um ein Kind zu begleiten und zu stärken. Dieses Miteinander werde im Südtiroler Kinderdorf durch Beziehungen, Nachbarschaft, Fachkompetenz, Politik und gemeinsame Werte gelebt. Sein Dank galt allen, die dazu beitragen, dass Kinder dort stehen können, wo sie hingehören: in der Mitte.

Präsidentin Sabina Frei, Direktor Karl Brunner, Mitarbeiterin Waltraud Franzelin und Bewohnerin Mahtab Naveed erzählten aus unterschiedlichen Perspektiven, was das Südtiroler Kinderdorf heute ausmacht. Im Mittelpunkt standen persönliche Erfahrungen, die Motivation für die Arbeit und das Leben im Kinderdorf, gegenseitige Unterstützung und das Zusammenspiel von Verwaltungsrat, Direktion, Mitarbeitenden und begleiteten Kindern und Jugendlichen. Sabina Frei betonte die gemeinsame Verantwortung innerhalb des Kinderdorfes: „Im Südtiroler Kinderdorf leben wir Mitverantwortung, wir tragen Verantwortung gemeinsam. Füreinander und miteinander. Wir diskutieren, handeln aus und finden einen gemeinsamen Weg.“ Direktor Karl Brunner stellte die gelebten Werte und die Bedeutung der Beziehungen in den Mittelpunkt: „Das Kinderdorf ist ein Ort, an dem Werte mit Taten gefüllt werden. Entscheidend ist, wie unsere Mitarbeiter in Beziehung gehen – sie machen den Unterschied. Wir brauchen auch über das Kinderdorf hinaus ein Wir, das Netzwerk ist essenziell.“
Eine zentrale und sehr emotionale Perspektive brachte Mahtab Naveed ein. Als junge Frau, die derzeit in einer der Wohngemeinschaften lebt, berichtete sie von ihren persönlichen Erfahrungen und davon, was das Leben im Südtiroler Kinderdorf für sie bedeutet. Dabei sprach sie auch darüber, was Erwachsenwerden für sie bedeutet: „Meine Aufgabe hier ist es, Hilfe anzunehmen. Erwachsen werden heißt auch, wenn man Hilfe braucht, diese zuzulassen.“ Das Kinderdorf sei für sie ein Zuhause für einen bestimmten Abschnitt ihres Lebens – ein Ort, an dem sie die Werkzeuge für ihre Zukunft bekomme. „Unabhängig sein heißt für mich, mein Leben führen zu können, aber nicht alleine. Die Liebe und die Authentizität, die ich hier erfahren habe, werde ich auch weitergeben. Wenn ich zurückblicke, habe ich gelernt, wer ich sein kann. Ein gutes Zuhause ist ein Ort, von dem aus man gelernt hat, gehen zu können.“

Ergänzt wurde die Festrede der Kinderdorfgemeinschaft durch ein großes Puzzle mit dem Logo des Südtiroler Kinderdorfes. Nach jedem persönlichen Beitrag wurde ein weiteres Teil eingesetzt, bis sich Schritt für Schritt ein Gesamtbild ergab. Die offenen Ausbuchtungen des Logos stehen dabei sinnbildlich für Begegnung, Verbundenheit und die Möglichkeit, dass immer wieder neue Menschen an die Gemeinschaft andocken.

Den Abschluss des Festaktes bildete das Kinderdorf-Lied des Mitarbeiters Dietmar Elsler, das von Choriosum eigens für das Fest einstudiert wurde. Das Lied greift inhaltlich das Leitbild des Südtiroler Kinderdorfes auf.

Das 70-jährige Bestehen des Südtiroler Kinderdorfes steht für weit mehr als die Geschichte einer Einrichtung. Es steht für die Geschichten von hunderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die hier einen Teil ihres Lebens verbracht haben, ebenso wie für die vielen Mitarbeiter, Wegbegleiter, Unterstützer und Ehrenamtlichen, die das Kinderdorf über Jahrzehnte mitgestaltet haben.

Zum Jubiläum waren gut 450 Gäste nach Brixen gekommen, darunter rund 50 ehemalige Bewohner des Kinderdorfes mit ihren Familien. Begegnungen und persönliche Erinnerungen prägten damit nicht nur den Festakt, sondern den gesamten Jubiläumstag. Nach dem offiziellen Teil wurde im Ansitz Thalhofer gemeinsam zu Mittag gegessen. Am Nachmittag standen geführte Dorfspaziergänge, die Vorführung des von Rai Südtirol produzierten Films „Lebenslinien im Südtiroler Kinderdorf“ sowie ein Spieleangebot des VKE Brixen auf dem Programm. Bei Kaffee und Kuchen klang der Jubiläumstag schließlich am Dorfplatz aus.

Zahlen & Fakten
70 Jahre Geschichte bedeuten auch 70 Jahre kontinuierliche Weiterentwicklung. Heute umfasst das Südtiroler Kinderdorf unterschiedliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien – von stationärer Betreuung über die Begleitung von Frauen und Kindern im Haus Rainegg bis hin zur Mobilen Familienarbeit und den Angeboten von Kido.IMPULS. Das Südtiroler Kinderdorf begleitet rund 50 Kinder und Jugendliche im stationären Bereich. Im Haus Rainegg leben derzeit sieben Frauen mit ihren zehn Kindern. Die Mobile Familienarbeit unterstützt in über 20 Projekten etwa 90 Erwachsene und Kinder in unterschiedlichen Lebenssituationen. Insgesamt beschäftigt das Südtiroler Kinderdorf rund 80 Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen. Auch Kido.IMPULS ist heute ein wichtiger Bestandteil des Angebots für Familien und Fachkräfte. Allein 2025 erreichten die Bildungs- und Familienangebote mehrere hundert Menschen. Mit Elternbildungsangeboten, Familienveranstaltungen, Väterangeboten, Ferienprogrammen und pädagogischen Impulsen werden Familien in unterschiedlichen Lebensphasen unterstützt.

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