Die Tourismusgenossenschaften Sterzing Pfitsch Freienfeld, Gossensass und Ratschings sowie die Skigebiete Ladurns, Rosskopf und Ratschings-Jaufen arbeiten an einer gemeinsamen Marke. Beim Tag der Öffentlichkeit am 27. Oktober im Vigil-Raber-Saal in Sterzing wurde das Projekt der Bevölkerung vorgestellt.
Unter dem Motto „Mehr Bedeutung für unsere Heimat“ kamen Vertreter aus Gastgewerbe, Landwirtschaft und lokaler Wirtschaft sowie zahlreiche Bürger zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die sechs Partner künftig unter einer gemeinsamen Marke auftreten können, mit gemeinsamen Werten und vor allem einer gemeinsamen Vision für die ganze Region.
„Wir haben eine wunderschöne Heimat. Wir wollen gemeinsam die Kräfte bündeln und das Wipptal nach vorne bringen“, sagte Paul Eisendle, Präsident der Rosskopf Seilbahn, zur Begrüßung. „Unser Ziel ist es nicht, größer zu werden, sondern bedeutender.“
Eine Marke, die von innen entsteht
Begleitet wird der Prozess von der Nürnberger Strategieberatung Brand Trust. Jürgen Gietl, Managing Partner bei Brand Trust, machte deutlich, dass die gemeinsame Marke nicht am Schreibtisch entstehen soll: „Eine Marke funktioniert nur von innen heraus. Erst wenn man sich bewusst ist, was einen wertvoll macht, kann man die richtigen Gäste ansprechen. Es ist eure Region – wenn etwas für euch nicht attraktiv ist, wird es auch für Gäste nicht attraktiv sein.“
Drei Leitfragen bestimmen den weiteren Weg: Was macht uns aus? Was wollen wir? Und was unterscheidet uns von anderen? Die Unterschiede zwischen Stadt, Tal und Berg sollen dabei nicht eingeebnet, sondern als Stärke genutzt werden. „Wie in einer Familie“, so Gietl, „tragen alle denselben Namen und bleiben doch eigene Persönlichkeiten.“
Stimmen vom Podium
In der von Daniela Pircher moderierten Podiumsdiskussion zeigte sich, wie viele Perspektiven das Thema berührt. Martin Unterweger, delegierter Verwalter der Skiworld Ahrntal und Geschäftsführer des Skigebiets Speikboden, berichtete vom Verbund im Ahrntal, wo Gemeinden, Tourismusvereine und Skigebiete seit zehn Jahren zusammenarbeiten. „Der Start war holprig. Heute ist die Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit – und genau das wünsche ich auch dem Wipptal.“
Für Hanspeter Eisendle, Alpinist, Kletterer und Bergführer aus Sterzing, liegt der Schlüssel in der Authentizität: „Wir sollen uns zeigen, aber so, wie wir wirklich sind.“ Attraktiv werde ein Ort dann, wenn Kultur, Landwirtschaft und Tourismus miteinander arbeiten. Bernhard Auckenthaler, Kräuterbauer am Botenhof in Pflersch mit Urlaub am Bauernhof, hob den Wert des frühzeitigen Dialogs hervor: Wer sich zusammensetze, bevor es brenne, vermeide Konflikte.
Martin Ausserdorfer, der zum Thema Verkehr sprach, sieht in der autofreien Anreise einen zentralen Hebel für die Zukunft der Region. Den Luxus von morgen verortet er dort, wo das Wipptal schon heute stark ist: im persönlichen Kontakt zwischen Gästen und Familienbetrieben.
Alle reden mit
Per Live-Umfrage konnten alle Anwesenden ihre Sicht einbringen. Gewinnen wollen sie vor allem Zusammenhalt statt Konkurrenz, eine klare Identität und einen echten Mehrwert für Einheimische. Nicht verlieren wollen sie Heimat und Tradition, die intakte Natur, leistbaren Wohnraum und die Vielfalt kleiner Betriebe. Diese Ergebnisse fließen direkt in die weitere Arbeit ein.
Wie es weitergeht
Der Tag der Öffentlichkeit war der Auftakt eines mehrstufigen Prozesses. In den kommenden Monaten erarbeitet das Projektteam die gemeinsame Identität. Ein zweiter Tag der Öffentlichkeit ist für 2027 geplant. Dort will man eine neue Marke vorstellen, mit starken Werten und vor allem einer Vision für die Zusammenarbeit im Wipptal.