Die Geschichtswerkstatt Freienfeld lud am Sonntag (24. Februar) zu einer Bilderschau in das Vereinshaus von Stilfes. Dabei wurden Fotos über die Primizfeier von Karl Saxl aus dem Jahr 1964 gezeigt.
Es handelt sich dabei um rund 150 Schwarzweiß-Fotos des Sterzinger Fotografen Delfauro, die von der Familie Fuchs-Hofer der Geschichtswerkstatt überlassen worden waren, beeindruckende, aussagekräftige Bilder, die noch eine heile Welt zeigen.
Der Präsident der Geschichtswerkstatt Freienfeld Helmuth Wieser war über das zahlreich erschienene Publikum sichtlich erfreut. Er erinnerte daran, dass im vergangenen Jahrhundert in Stilfes neun Primizen gefeiert werden konnten: Die erste war die Primiz von Anselm Sparber im Jahr 1908, die letzte jene von bis Josef Wieser 1978; vier Priester stammten aus Egg, darunter die zwei Brüder Anton und Franz Leitner. Im Kriegsjahr 1944 fanden sogar zwei Primizen statt.
Wieser beschrieb das Wirken von Karl Saxl und ging auch darauf ein, dass dieser später einen anderen Lebensweg eingeschlagen hat: Er war Hochschullehrer in Mannheim sowie langjähriger engagierter und beliebter Kommunalpolitiker und Ortsvorsteher in Friesenheim, einem Ortsbezirk der Stadt Ludwigshafen. Am 16. Februar dieses Jahres ist Karl Saxl im Alter von 84 Jahren verstorben. Für ihn wurde eine Gedenkminute gehalten.
Eine Primizfeier war für die gesamte Dorfbevölkerung ein besonderes Ereignis, und jeder wollte zum Gelingen dieses Festes beitragen. Helmuth Wieser, damals Volksschüler, kann sich noch gut an das gemeinsame Girlandenwinden von Jung und Alt für die Kirche erinnern, an die vielen Ministrantenproben, aber auch an das Gedicht, das von Lehrerin Gretl Fuchs einer Volksschulklasse eingelernt und beim Primizmahl vorgetragen wurde.
Die Aufnahmen zeigen den Empfang des Primizianten am Vorabend der Primiz am Dorfeingang, die anschließende Andacht in der Pfarrkirche, die Lichterprozession und das Ständchen der Musikkapelle im Innenhof des Widums. Am Tag der Primiz erfolgte der Einzug vom Widum zur Pfarrkirche mit einer großen Anzahl von Gläubigen, der Musikkapelle Stilfes, der Geistlichkeit, dem Primizianten, seinen Familienangehörigen und den vielen geladenen Gästen, die an seinem Erstlingsopfer teilnahmen. Auffallend war, dass die Schützenkompanie Egg infolge der politischen Lage im Lande nicht an den Festlichkeiten teilnehmen durfte.
Weitere Aufnahmen zeigen die anschließende Prozession. Die Häuser am Wegrand waren reich geziert mit Heiligenbildern und Girlanden aus Fichtenzweigen. Der Prozessionsweg führte durch Wiesen und Felder mit den vier Altären, an denen jeweils das Evangelium gelesen wurde. Leider ist dieser Weg in den späten 1960er Jahren dem Autobahnbau zum Opfer gefallen. Die Bilder vom langen Prozessionszug mit den vielen Gläubigen, den Trägern der vier großen Fahnen und der zahlreichen Heiligenstatuen, der Musikkapelle, den vielen Geistlichen sowie den Himmelträgern mit dem Primizianten und den Frauen in Festtagstracht waren sehr beeindruckend.
Interessant für den heutigen Betrachter ist auch das Dorfbild vor 60 Jahren mit den alten Bauernhäusern mit Schindeldächern, mit den noch nicht asphaltierten Straßen und den wenigen Autos.
Zum Abschluss dankte Rita Thaler Wieser im Namen der Geschichtswerkstatt Freienfeld für das große Interesse an der Bilderschau, wodurch bei vielen Anwesenden Erinnerungen an eine Zeit wachgerufen wurden, die geprägt war von Frömmigkeit und tiefem Glauben. Bei einem Umtrunk und angeregten Gesprächen klang der Nachmittag aus.