Mit einem stimmungsvollen Night Race im Schneetreiben ist am Samstagabend auf der Tonnerboden-Bahn im Jaufental die Weltcupsaison 2025/26 im Alpinrodeln zu Ende gegangen. Die 660 m lange Naturbahn im Wipptal bestätigte einmal mehr ihren Ruf als Garant für Überraschungen und sorgte mit einem Vierfachsieg der Azzurri bei den Damen sowie einem Dreifacherfolg der Gastgeber bei den Herren für einen eindrucksvollen Abschluss.
Starker Schneefall, weiches Eis und Flutlicht – die Bedingungen verlangten den Athletinnen alles ab. Am besten zurechtkam Europameisterin Nina Castiglioni, die mit einem furiosen zweiten Lauf ihren ersten Weltcupsieg feierte. In 1.46,33 Minuten setzte sich die Drittplatzierte nach dem ersten Durchgang noch an die Spitze.
Ihre ältere Schwester Jenny Castiglioni hatte zur Halbzeit geführt, fand im Finale jedoch nicht die optimale Linie und verpasste ihren Premierensieg um 0,30 Sekunden. Rang drei ging an Nadine Staffler, die nach starkem erstem Lauf letztlich 0,53 Sekunden Rückstand auf die siegreiche Newcomerin aufwies.
Gesamtweltcupsiegerin Riccarda Ruetz musste sich beim Saisonfinale mit Platz 5 (+1,24 Sekunden) zufriedengeben, stand jedoch bereits vor dem Rennen als Gewinnerin der großen Kristallkugel fest.
„Mir fehlen die Worte. Der zweite Lauf war extrem gut. Mit dem ersten Weltcupsieg die Saison zu beenden, ist einfach nur schön“, sagte Nina Castiglioni unter Tränen. Schwester Jenny zeigte Größe: „Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber ich freue mich riesig für sie.“
In der Gesamtwertung dominierte Ruetz mit 610 Punkten klar vor Nina Castiglioni (501) und der Deutschen Lisa Walch (480), die mit Rang 6 im Finale noch auf Platz 3 im Gesamtklassement zurückfiel. „Der Sieg im Gesamtweltcup bedeutet mir sehr viel – es war meine bislang beste Saison“, resümierte Ruetz bei der Übergabe ihrer ersten großen Kristallkugel.
Herren-Einsitzer: Dreifacherfolg für Südtirol
Auch im Herrenrennen stand nicht nur der Tagessieg, sondern auch der Gesamtweltcup im Fokus. Daniel Gruber und Fabian Achenrainer lieferten sich ein Duell um die große Kugel – beide jedoch mit sichtbarer Nervosität. Gruber lag zur Halbzeit nur auf Rang 4, Achenrainer auf Platz 5.
Am Ende belegte Achenrainer Rang 4, zwei Hundertstel vor Gruber auf Platz 5. Damit krönte sich Gruber mit 580 Punkten erstmals zum Gesamtweltcupsieger, vor Achenrainer (530) und Hannes Unterholzner (424).
„Bei der Anreise ist mir erstmals bewusst geworden, dass ich den Gesamtsieg holen könnte. Das war keine gute Idee, ich habe mir selbst Druck gemacht“, lachte Gruber erleichtert. Achenrainer zeigte sich fair: „Solche Bedingungen kommen meiner Fahrweise nicht entgegen. Daniel ist ein verdienter Gesamtsieger.“
Den Tagessieg sicherte sich Unterholzner mit zwei Laufbestzeiten und einer Gesamtzeit von 1.43,90 Minuten. Dahinter komplettierten Matthias Lambacher (+0,51 Sekunden) und Alex Oberhofer (+0,53) den Südtiroler Dreifacherfolg.
„Die Bedingungen waren schwierig, aber ich konnte mich gut darauf einstellen“, analysierte Unterholzner. Matthias Lambacher kündigte indes eine sportliche Neuausrichtung an: „Mein Bruder Peter und ich wollen uns künftig voll auf den Einsitzer konzentrieren. Beide Disziplinen auf höchstem Niveau zu fahren, ist inzwischen kaum mehr möglich.“
In der Nationenwertung setzte sich Italien mit 5.372 Punkten deutlich vor Österreich (3.798) und Deutschland (1.030) durch. Insgesamt schafften es zwölf Nationen in die Weltcupwertung.
Positives Saisonfazit
Andreas Castiglioni, Direktor für Sport und Technik Alpin Rodeln, zog eine positive Bilanz: „Die neue Generation hat geliefert. Wir hatten eine extrem spannende Saison mit mehreren Premierensiegern und hervorragend organisierten Rennen.“
Auch OK-Chef Walter Volgger zeigte sich zufrieden: Trotz nassen Schneefalls habe das Organisationsteam ganze Arbeit geleistet. „Das Eis hat gehalten, es war ein absolut faires Rennen. Unsere freiwilligen Helfer haben Großartiges geleistet.“
Im Rennkalender der Tonnerboden-Bahn fehlt nun nur noch eine Weltmeisterschaft der Allgemeinen Klasse – diese ist voraussichtlich für 2029 geplant, nach den FIL-Jugendspielen im kommenden Jahr.
Die Ergebnisse:
Top-3 Einsitzer Damen, Finale Jaufental
Nina Castiglioni (ITA), 1.46,33 Minuten
Jenny Castiglioni (ITA), +0,30 Sekunden
Nadine Staffler (ITA), +0,53 Sekunden
Top-3 Einsitzer Herren, Finale Jaufental
Hannes Unterholzner (ITA), 1.43,90 Minuten
Matthias Lambacher (ITA), + 0,51 Sekunden
Alex Oberhofer (ITA), +0,53 Sekunden
Gesamtweltcup
Top-3 Einsitzer Damen
Riccarda Ruetz (AUT) 610 Punkte
Nina Castiglioni (ITA) 501 Punkte
Lisa Walch (GER) 480 Punkte
Top-3 Einsitzer Herren
Daniel Gruber (ITA) 580 Punkte
Fabian Achenrainer (ITA) 530 Punkte
Hannes Unterholzner (ITA) 424 Punkte
Top-3 Doppelsitzer
Matthias Lambacher/Peter Lambacher (ITA) 585 Punkte
Tobias Paur/Andreas Hofer (ITA) 560 Punkte
Maximilian Pichler/Nico Edlinger (AUT) 540 Punkte
Im Bild Gesamtsieger Daniel Gruber.
Foto © Ulrich Wilhelm