Mit den letzten Jahren sind die Bauern im Wipptal zufrieden. Und mit den richtigen Entscheidungen ist auch der Ausblick positiv, wurde am Dienstag (10. März) auf der Bauernbund-Bezirksversammlung des Wipptales in Wiesen klar.
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner sieht die bäuerlichen Betriebe in Südtirol gut für die Zukunft gerüstet. „Dank des Fleißes, des guten Ausbildungs- und Beratungsangebotes, der genossenschaftlichen Vermarktung und nicht zuletzt der günstigen politischen Rahmenbedingungen ist die Zahl der Betriebe in Südtirol stabil.“ Auch in Zukunft will der Südtiroler Bauernbund für Bedingungen sorgen, die es den Betrieben ermöglichen, erfolgreich zu wirtschaften.
Gespannt blickt der SBB derzeit nach Brüssel, wo die Gemeinsame Agrarpolitik für die Jahre 2028–2034 beschlossen wird. „Mit den Zielen, Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz, Innovation und Nachhaltigkeit zu stärken und zu fördern, sind wir einverstanden. Genauso wie mit der Unterstützung des Generationenwechsels und des digitalen Wandels. Wir sind auch dabei, wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen zu erleichtern und die Lebensqualität im ländlichen Raum zu erhöhen.“ Jetzt werde es darum gehen, die nötigen Geldmittel zu sichern. „Das werden sehr schwierige Verhandlungen, dennoch bin ich zuversichtlich, dass die Bauern wieder Planungssicherheit erhalten werden.“
Interessant seien in den letzten Jahren die staatlichen Investitionsförderungen gewesen. „Die Berglandwirtschaft ist auch zukünftig auf Förderungen angewiesen, da das Arbeiten am Berg viel aufwendiger ist und die Kosten entsprechend höher sind. Zudem sind die Betriebe kleinstrukturiert. Unterstützungsmaßnahmen gleichen diese strukturellen Nachteile aus und sorgen so dafür, dass unsere Betriebe wettbewerbsfähig bleiben.“
Siegfried Rinner ist weiters auf einige Neuerungen eingegangen, wie etwadie Abfallentsorgung, die Voucher, den Brandschutz, das Tierwohl, die Aufzeichnung der Tierbewegungen, den Naturschutz und die Wohnbauförderung. Hier sei es gelungen, wesentliche Verbesserungen zu erzielen. Nicht zufrieden zeigte sich Rinner mit den lokalen Lebensmittelkreisläufen. „Die Herkunftskennzeichnung ist zwar in Kraft, funktioniert aber leider nicht wie gewünscht. Hier müssen wir noch mehr Sensibilisierungsarbeit leisten, bei den Gastwirten genauso wie bei den Konsumenten.“ Im heurigen Jahr will sichder SBB zudem verstärkt umdie soziale Absicherung der Bauern kümmern und im Rahmen der Initiative „Dein Südtiroler Bauer“ bzw. „Deine Südtiroler Bäuerin“ die Wirtschaftsleistung der Landwirtschaft unterstreichen.
Wo die Reise in der Berglandwirtschaft hingeht und wie sich der Beratungsring Berglandwirtschaft BRING auf die Zukunft vorbereitet, darüber sprach Geschäftsführer Christian Plitzner. Er sieht imTiefen Lernen (Deep Learning), einer Weiterentwicklung der KI, in der Robotik, der Automatisierung sowie in der Sensor- und Satellitentechnik große Chancen für die Berglandwirtschaft. „Wir dürfen keine Angst haben, sondern müssen die Möglichkeiten nutzen. Veränderungen hat es in der Landwirtschaft immer schon gegeben.“ Drohnen in Kombination mit KI-Auswertungen und Satellitentechniksind im Pflanzenbau oder bei der Tierüberwachung auf Weiden und Almen Teil der Zukunft.Auch werde es Systeme geben, die die Tiergesundheit überwachen. „Neue digitale Technologien können eine Arbeitserleichterung und höhere Wertschöpfung bringen. Genau zu achten ist aber auf die Investitions- und Folgekosten.“ Auch werde es eine Verschiebung der Arbeitszeit weg von Stall und Feld hin zum Computer geben. Bauern müsstenzudem darauf achten, dass die physische Belastung nicht von einer psychischen Mehrbelastung abgelöst wird.
Bauernbund-Bezirksobmann Matthias Braunhofer appellierte, die Digitalisierung als Chance zu sehen. Bei Problemen stünden die DIGGY-Treffs zur Verfügung. EDV-Profis unterstützen Interessierte kostenlos bei Fragen zu Software, Handy, Laptop oder der digitalen Identität. Landesrat Luis Walcher hat in Wiesen einige Neuerungen bei den Förderungen vorgestellt. Einige Maschinenförderungen sind aufgrund der Preissteigerungen angepasst worden. Einen Schwerpunkt setzt Walcher in der Waldbewirtschaftung, denn gesunde Wälder seien wichtig, da in Südtirol viel Wald zugleich Schutzwald sei. „Daher werden wir verstärkt auch die Nutzung von gesundem Holz fördern und nicht nur die Schlägerung von Käferholz.“ Auch für die Instandhaltung von Forstwegen sind mehr Mittel vorgesehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Agrarmarketing, um Südtiroler Lebensmittel im Land und auf dem Binnenmarktbekannter zu machen. Landesrat Peter Brunner kündigte Unterstützungen für Biogasanlagen an. Zudem soll es zukünftig eine Plattform für Beregnungskonzessionen geben, und diese sollen künftig digital sein. Der Landtagsabgeordnete Franz Locher sprach die Erfolge bei der Unterstützung der Waldbewirtschaftung an, wie etwa die Holzverladestelle in Bozen. Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser ging auf einige Schwerpunkte des SBB für das heurige Jahr ein.
Im Bild: (v. l.) Christian Plitzner, Siegfried Rinner, Luis Walcher, Peter Brunner, Daniel Gasser, Franz Locher, Martin Alber (verdeckt) und Matthias Braunhofer.
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