Leise und nachhaltig: Die neue Leitner-Anlage wird die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen in nur sechs Minuten mit dem Hochplateau von Jenesien verbinden. Die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen.
Mit der Vertragsunterzeichnung am 30. Dezember 2025 hat die Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) den Bau einer neuen Seilbahn von Bozen nach Jenesien an eine Arbeitsgemeinschaft aus Leitner, Unionbau und Elpo vergeben. Der Vertrag wurde vom Generaldirektor der STA, Joachim Dejaco, sowie von Giorgio Pilotti, Vertriebsdirektor von Leitner Italien, unterzeichnet.
Die neue Anlage mit einem Auftragswert von rund 27 Millionen Euro wird die Landeshauptstadt mit dem Hochplateau von Jenesien in etwas mehr als sechs Minuten verbinden. Zwei Kabinen mit jeweils 45 Sitzplätzen verkehren im Zehn-Minuten-Takt und erreichen eine Geschwindigkeit von zwölf Metern pro Sekunde. Die stündliche Förderleistung wird je nach Betriebsmodus zwischen 270 und 350 Personen pro Stunde liegen.
Dank einer leichten Anpassung der Trasse im oberen Abschnitt konnte auf die ursprünglich geplante Mittelstation verzichtet werden. Außerdem wird die Talstation um etwa vier Meter in Richtung Straße verlegt.
Mit DirectDrive: Energieeffizienz und Geräuscharmut
Aus technischer Sicht stellt das Projekt einen Meilenstein dar: Zum ersten Mal weltweit wird eine Pendelbahn mit einem DirectDrive ausgestattet.
Der Direktantrieb, der bereits bei kuppelbaren Anlagen und Standseilbahnen eingesetzt wird, wird hier als Hauptwinde ohne Getriebe verwendet und erhöht damit die Verfügbarkeit des Systems. Diese Lösung reduziert den Verschleiß und den Wartungsaufwand mechanischer Komponenten und sorgt gleichzeitig für einen energieeffizienten Betrieb. Der Einsatz des DirectDrive senkt den Energieverbrauch deutlich.
Darüber hinaus reduziert der Direktantrieb die Geräuschemissionen erheblich, da sämtliche Störungen durch herkömmliche Getriebe entfallen. Zusätzlich wird der Maschinenraum mit schallabsorbierenden Paneelen ausgestattet, um die Geräusche weiter zu reduzieren – ein besonders wichtiger Aspekt in einem sensiblen Umfeld wie den angrenzenden Wohngebieten.
Ein integriertes Rettungssystem gewährleistet zudem ein hohes Maß an Sicherheit und Betriebsverfügbarkeit. Sollte der Hauptantrieb ausfallen, stehen zwei voneinander unabhängige Notantriebssysteme zur Verfügung. Dieses redundante Konzept ermöglicht eine sichere Evakuierung der Fahrgäste.
Neue Panoramakabinen und innovative Technik
Auch die Kabinen stellen eine Neuerung dar: Sie werden als Panoramakabinen mit über 80 Prozent Glasfläche und einem innovativen Design ausgeführt.
Eine programmierbare Verdunkelung mittels Polarisierung ermöglicht es, die Transparenz der Verglasung je nach Situation anzupassen: Beim Überfahren von Wohngebieten wird das Glas automatisch undurchsichtig, um Einblicke in private Grundstücke zu verhindern. Nach dem Verlassen des Bereichs wird es wieder transparent.
Die Kabinen sind zudem modular aufgebaut und können je nach Bedarf angepasst werden – vom reinen Personentransport bis hin zu einer kombinierten Nutzung (beispielsweise mit Fahrrädern).
Auch das Fahrwerk wird innovativ gestaltet: Die Hauptkomponenten werden „aus dem Vollen“ gefräst, wodurch Schweißnähte vermieden werden, die üblicherweise kritische Stellen darstellen und mehr Kontrollen erfordern.
Außerdem werden erstmals bei einer Pendelbahn Rollen mit integriertem Generator eingesetzt. Der Generator in den Rollen erzeugt eine zusätzliche, dezentrale Energiequelle und unterstützt so die Stromversorgung der Kabine.
Nach Abschluss der Ausführungsplanung soll der Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte erfolgen, während die Inbetriebnahme für das Jahr 2027 vorgesehen ist.
Foto © Leitner