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Home → News → Sterzing: „Betreutes Wohnen Plus“ vorerst gestoppt - 04.05.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Politik

Sterzing: „Betreutes Wohnen Plus“ vorerst gestoppt

04.05.2026

Die geplante Einführung des innovativen Wohnmodells „Betreutes Wohnen plus“ im Seniorenwohnheim Wipptal steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem der Gemeinderat von Sterzing das Vorhaben in seiner Sitzung am 29. April mehrheitlich abgelehnt hat. Alle anderen Gemeinden des Bezirks – namentlich Ratschings, Pfitsch, Franzensfeste, Brenner und Freienfeld – sowie das Land Südtirol haben hingegen bereits ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben. Wie es mit dem landesweiten Pilotprojekt nun weitergeht, ist ungewiss.

Trotz einer grundsätzlich hohen Nachfrage nach Heimplätzen stehen im Seniorenwohnheim Wipptal derzeit rund 40 Betten leer, da es am notwendigen Fachpersonal fehlt, um eine Vollbelegung zu gewährleisten. Diese mangelnde Auslastung stellt die Wipptaler Gemeinden vor erhebliche finanzielle Herausforderungen, da die Einrichtung erst ab einer Belegung von 80 Betten kostendeckend arbeiten kann. Für das Jahr 2025 wurde das daraus resultierende Betriebsdefizit auf etwa 600.000 Euro beziffert.

Um diese ungenutzten Kapazitäten sinnvoll zu füllen und gleichzeitig die finanzielle Last zu mindern, sah der Vorschlag vor, zehn der freien Betten vorübergehend für das Modell „Betreutes Wohnen plus“ zur Verfügung zu stellen. Dieses Angebot richtet sich an Menschen ab 65 Jahren, die sich in niedrigen Pflegestufen befinden und somit einen geringeren Betreuungsaufwand benötigen als klassische Heimbewohner in höheren Pflegestufen. In diesem Modell leben die Senioren in eigenen Wohneinheiten, können jedoch bei Bedarf auf professionelle Pflege- und Betreuungsleistungen zurückgreifen. Das Projekt gilt als südtirolweites Novum, da ein solcher Dienst erstmals – wenn auch nur temporär – innerhalb eines Seniorenwohnheims angesiedelt werden sollte.

Bezirkspräsident Martin Alber betonte im Vorfeld der Entscheidung mehrfach, dass es sich hierbei um eine reine Zwischenlösung handelt. Das Angebot sollte lediglich so lange Bestand haben, bis ausreichend Personal gefunden wird, um die Betten wieder für den regulären Heimbetrieb zu nutzen. Die Befürworter im Sterzinger Gemeinderat, allen voran die SVP-Fraktion um Gemeinde- und Bezirksrätin Evi Frick, hoben die Flexibilität des Modells hervor. Sie verwiesen darauf, dass bei einem steigenden Pflegebedarf der Bewohner ein nahtloser Übergang in das Seniorenheim oder eine Verlegung in andere geeignete Einrichtungen gewährleistet sei.

Trotz dieser Argumente und der Aussicht auf eine jährliche Kostenersparnis von rund 60.000 Euro für die Stadtgemeinde Sterzing fand das Projekt keine Mehrheit. Neun Gemeinderäte der Bürgerliste „Gemeinsam für Sterzing-Wipptal“ stimmten geschlossen gegen das Vorhaben, während sich mit Christine Eisendle Recla (Gemeinsam für Sterzing-Wipptal) und Chiara Martorelli (Insieme per Vipiteno) zwei weitere Ratsmitglieder der Stimme enthielten. Bürgermeister Peter Volgger äußerte in diesem Zusammenhang Bedenken, die vor allem den sozialen Aspekt betrafen. Er hinterfragte kritisch, was mit den Senioren geschehen solle, wenn die vorübergehende Nutzung endet, da diese Menschen oft ihre ursprüngliche Wohnung aufgegeben hätten und nicht wie „Pakete“ verschoben werden könnten.

Zudem verwies der Bürgermeister auf die bereits erreichte Belastungsgrenze des bestehenden Pflegepersonals und äußerte Zweifel, ob das zusätzlich benötigte Personal mit den spezifischen Qualifikationen für die niedrigeren Pflegestufen tatsächlich zeitnah gefunden werden könne. Zudem führten die Sorge, dass durch dieses Modell die bestehende Warteliste von rund 150 Gesuchen für reguläre Heimplätze unterwandert werden könnte, sowie das Fehlen definitiver Vertragsunterlagen letztlich zur Ablehnung.

Nach dieser Entscheidung liegt der Ball nun beim Bezirksrat. Es gilt zu klären, wie mit den gegensätzlichen Beschlüssen innerhalb des Bezirks umgegangen werden kann und ob es alternative Wege gibt, um das „Betreute Wohnen plus“ trotz der Ablehnung durch den Sterzinger Gemeinderat einzuführen. Da eine Antwort des Landes Südtirol auf ein bereits angefordertes Gutachten zur rechtlichen Situation noch aussteht, bleibt die Realisierung des Pilotprojektes im Wipptal bis auf Weiteres in der Schwebe.

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