Verkehr
Grenzüberschreitende Verbesserungen stehen bevor
19.06.2026
Ende Mai haben sich Südtirols Landesrat für Infrastruktur und Mobilität Daniel Alfreider und Tirols Mobilitäts- und Umweltlandesrat René Zumtobel in Bozen über den öffentlichen Nahverkehr über den Brenner ausgetauscht. Begleitet wurden die beiden Politiker von Vertretern der jeweiligen Ressorts, der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) sowie des Verkehrsverbundes Tirol (VVT).
„Nicht nur die Euregio, sondern ganz Europa braucht mehr Bahnverkehr", so Landesrat Alfreider über die Bedeutung der europäischen Integration im Verkehrsbereich. "Nur mit den bereits eingeleiteten und den noch folgenden Investitionen können wir eine echte Mobilitätswende schaffen.“ Gerade Grenzregionen wie Südtirol bräuchten im Bahnbereich mehr Europa, etwa durch die Harmonisierung von Standards. Eine ausgebaute Infrastruktur und neues Rollmaterial sollen das Angebot für Pendler schrittweise verbessern.
Für Tirols Mobilitätslandesrat René Zumtobel ist der grenzüberschreitende Dialog entscheidend, um die Entlastung der Bevölkerung entlang stark belasteter Transitrouten voranzutreiben. „Konstruktiv zusammenarbeiten, Lösungen finden und den öffentlichen Verkehr laufend verbessern, statt zu resignieren oder Alternativen von vornherein auszuschließen.“ Nicht nur die Brennersperre am 30. Mai zeige die Grenzen des Straßenverkehrs auf. Nach dem Treffen zeigte sich Zumtobel optimistisch: "Wir konnten viele grundlegende Zukunftsfragen erneut besprechen und die Weichen für den öffentlichen Nahverkehr zwischen Tirol und Südtirol in den kommenden Jahren stellen."
Ein wesentliches Hindernis im grenzüberschreitenden Schienennahverkehr sind die unterschiedlichen Stromsysteme in Österreich und Italien. Tiroler Nahverkehrszüge können derzeit nicht in Südtirol verkehren – und umgekehrt. Für Fahrgäste bedeutete dies bislang einen Umstieg am Brenner. Mit der gemeinsamen Beschaffung von insgesamt 21 Mehrsystemfahrzeugen des Typs Coradia Stream werden künftig Direktverbindungen möglich. Zwar ist aufgrund der EU-Vorgaben zur betrieblichen Kommunikation in der jeweiligen Landessprache weiterhin ein kurzer Halt am Brenner mit Personalwechsel vorgesehen, dennoch bringen die neuen, hochmodernen Zuggarnituren deutliche Verbesserungen für die Fahrgäste. Zusätzlich zu den regulären Nahverkehrszügen bis zum Brenner werden künftig auch stündliche grenzüberschreitende Verbindungen ohne Umstieg angeboten. Die Coradia-Stream-Züge verfügen über insgesamt 381 Sitzplätze und bieten zudem mehr Platz für Fahrräder.
Als „Meilenstein in der Geschichte der grenzüberschreitenden Nahverkehrsverbindungen“ bezeichnen die beiden Landesräte die sechs vom Land Tirol bestellten Fahrzeuge (finanziert durch die ÖBB) und die von Südtirol bereits angekauften 15 Coradia-Stream-Zügen, die künftig auf den Bahnnetzen der Euregio verkehren werden. Sie entsprechen den modernen technischen sowie qualitativen Anforderungen.
Auch das seit Jahresbeginn verfügbare Euregio-Ticket, das die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Tirol, Südtirol und Trentino ermöglicht, gilt als wichtiger Schritt hin zu einem stärker vernetzten Nahverkehrsraum. Aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen und Kaufmodalitäten in Tirol und Südtirol stellt die Einführung gemeinsamer Ticketangebote allerdings eine besondere Herausforderung dar. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, das Angebot auf weitere Altersgruppen auszuweiten. Für Studierende bis 28 Jahre gibt es bereits seit Oktober 2021 das Euregio Ticket Students zum Preis von 377 Euro pro Jahr.
Im Bild (v.l.): Amtsdirektor des Amts für Personenverkehr Mirko Waldner, STA-Generaldirektor Joachim Dejaco, Ressortdirektor Martin Vallazza, Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, Elvis Marotta (STA), Alfred Marsoner (STA), Jelle Mertens von der Abteilung Mobilitätsplanung des Landes Tirol, Abteilungsleiter Martin Gassner, Tirols Mobilitäts- und Umweltlandesrat René Zumtobel, Michael Gruber (Verkehrsverbund Tirol/VVT), VVT-Geschäftsführer Alexander Jug sowie Claudia Jöchl (Büro Landesrat Zumtobel). Foto: LPA/Ressort Infrastruktur und Mobilität