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Home → News → Vom Betreuungsplan zum Lebensprojekt - 28.06.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Gesellschaft

Vom Betreuungsplan zum Lebensprojekt

28.06.2026

Wie möchte ich wohnen, arbeiten und leben? Künftig sollen Menschen mit Beeinträchtigung diese Fragen noch stärker selbst beantworten und ihre Zukunft aktiv mitgestalten können. Mit dem gesetzesvertretenden Dekret Nr. 62/2024 wird das persönliche Lebensprojekt, das „Progetto di vita“, zu einem zentralen Instrument der italienischen Politik für Menschen mit Beeinträchtigung. Die Stiftung „nach uns.dopo di noi“ informierte sich vor kurzem bei einer internationalen Fachtagung in Trient über die Umsetzung dieser Reform. Geschäftsführerin Martina Pastore und Präsident Armin Reinstadler sehen darin eine große Chance für mehr Selbstbestimmung, Teilhabe und Lebensqualität.

Wie kann ein gutes Leben gelingen? Und wie können Menschen mit Beeinträchtigung ihre Zukunft möglichst selbstbestimmt gestalten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die internationale Tagung „Sono adulto. Disabilità e progetto di vita“, die vor kurzem in Trient stattfand. Auch die Stiftung „nach uns.dopo di noi“ nahm daran teil. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das sogenannte „Progetto di vita“, das mit dem gesetzesvertretenden Dekret Nr. 62/2024 zu einem zentralen Baustein der italienischen Reform für Menschen mit Beeinträchtigung wird. Menschen mit Beeinträchtigung erhalten damit das Recht auf ein individuelles Lebensprojekt, das gemeinsam mit ihnen erarbeitet wird und ihre Wünsche, Ziele und Lebensvorstellungen in den Mittelpunkt stellt. Themen wie Wohnen, Arbeit, soziale Beziehungen, Freizeit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe werden dabei gemeinsam betrachtet. 

In Vorträgen, Workshops und Praxisberichten wurden konkrete Arbeitsmodelle, Erfahrungen aus verschiedenen Regionen Italiens sowie wissenschaftliche Erkenntnisse vorgestellt. Ein zentrales Anliegen war die Frage, wie Menschen mit Beeinträchtigung möglichst umfassend in Entscheidungen eingebunden werden können, die ihr eigenes Leben betreffen. Geschäftsführerin Martina Pastore sagt: „Besonders beeindruckt hat uns, wie konsequent die Perspektive der betroffenen Menschen im Mittelpunkt stand. Das Lebensprojekt ist weder Formular noch Verwaltungsakt. Es ist ein Werkzeug, um Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung ganz konkret zu stärken.“ Die Umsetzung der Reform wird künftig durch interdisziplinäre Fachteams der öffentlichen Hand erfolgen. In Südtirol werden derzeit die Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten ausgearbeitet. Der Start ist nach aktuellem Stand für Jänner 2027 vorgesehen. Die Stiftung verfolgt diese Entwicklung aufmerksam. Sie möchte Familien und Menschen mit Beeinträchtigung frühzeitig informieren und dabei unterstützen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen sichtbar zu machen.

„Nicht wir erstellen die Lebensprojekte. Unsere Aufgabe sehen wir darin, Familien auf diesem Weg zu begleiten, sie zu informieren und sie dabei zu unterstützen, ihre Vorstellungen für die Zukunft einzubringen. Viele Familien wissen noch gar nicht, welche Möglichkeiten das neue Gesetz eröffnet“, betont Präsident Armin Reinstadler. Die Südtiroler Stiftung versteht das neue Lebensprojekt als wichtige Ergänzung zu ihrem Auftrag. Seit ihrer Gründung begleitet die Stiftung  Familien bei der Zukunftsplanung von Menschen mit Beeinträchtigung und entwickelt gemeinsam mit ihnen Perspektiven für die Zeit, in der Eltern oder Angehörige diese Verantwortung nicht mehr übernehmen können.

Mit dem monatlichenZukunftsraum schafft die Stiftung einen niederschwelligen Ort für Information und Austausch. An jedem ersten Mittwoch im Monat von 16.00 bis 18.00 Uhr öffnet sie die Türen ihres Sitzes am Waltherplatz 28 in Bozen. Familien können ohne Anmeldung vorbeikommen, sich mit Geschäftsführerin Martina Pastore austauschen und ihr persönliches Lebensprojekt Schritt für Schritt weiterentwickeln.

„Die Tagung hat uns viele praktische Anregungen gegeben. Wir möchten unser Wissen vertiefen und Familien künftig noch gezielter unterstützen. Das Lebensprojekt kann ein wichtiges Instrument sein, damit Menschen mit Beeinträchtigung ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können“, sagt Martina Pastore.

***

Stiftung „nach uns.dopo di noi“

Die Stiftung wurde gegründet, weil Eltern und Fachleute eine zentrale Lücke erkannten: Bestehende Organisationen konnten die langfristige Verantwortung für das Leben eines erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung, insbesondere über den Tod der Eltern hinaus, rechtlich nicht übernehmen. Aus dieser Notwendigkeit heraus schlossen sich 2024 neun Organisationen zusammen: die Stiftung Südtiroler Sparkasse, der Dachverband für Soziales und Gesundheit, die Südtiroler Vinzenzgemeinschaft, der Verein für Sachwalterschaft, der Verein Aktive Eltern von Menschen mit Behinderung, die Lebenshilfe, der Elternverband hörgeschädigter Kinder, der Verband Ariadne für psychische Gesundheit und AIAS (Associazione Italiana Assistenza Spastici).

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