Auf seiner jüngsten Sitzung Ende Juni beschäftigte sich der Gemeinderat von Sterzing u. a. mit einer Anfrage von STF-Rat Jonas Gasser zu einer aufgenommenen Flüchtlingsfamilie sowie einer Haushaltsänderung. Für die zurückgetretene Rätin Verena Debiasi („Für Sterzing Wipptal“) rückte Stefanie Amrain nach (siehe eigener Bericht).
In einer schriftlichen Anfrage an Bürgermeister Peter Volgger zur Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie kritisierte Jonas Gasser, Gemeinderat und Bezirkssprecher der Süd-Tiroler Freiheit (STF), dass er als Ratsmitglied erst über die Medien von der Wohnungsvergabe erfahren habe, obwohl kurz zuvor, am 29. April, noch eine reguläre Sitzung des Gemeinderates stattgefunden hatte. Gasser forderte detaillierte Aufklärung über die genauen zeitlichen Abläufe, den Status der Personen sowie die finanzielle Belastung für die Gemeinde, insbesondere im Hinblick auf eventuelle Kindergarten- und Lebensunterhaltskosten.
Wie Bürgermeister Volgger in seiner Antwort darlegte, liefen die ersten Kontakte mit dem Land Südtirol bereits im vergangenen Februar. Konkret startete die Kontaktaufnahme per E-Mail am 3. Februar, woraufhin am 12. Februar der Amtsdirektorin für das Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion Astrid Wiest mitgeteilt wurde, dass die Wohnung sofort bezogen werden könne. Dass die Räte nicht vorab informiert wurden, begründete er damit, dass die Vergabe dieser Wohneinheit nicht der Beschlussfassung des Gemeinderates unterliege.
„Bei der aufgenommenen Familie handelt es sich um eine Frau aus Pakistan mit ihrem Kind. Sie gehört zu einer Zielgruppe von Familien, die ihr Asylverfahren positiv abgeschlossen haben und ein reguläres Bleiberecht besitzen“, erklärte Bürgermeister Volgger. Zuvor war sie in einer Übergangseinrichtung bzw. Beherbergungsunterkunft in der Landeshauptstadt Bozen untergebracht. Die einzelnen Gemeinden sind in solchen Fällen für die Bereitstellung und Grundausstattung der Wohnungen zuständig, wobei für die Nutzung ein Konzessions- bzw. Leihvertrag zwischen der Gemeinde und der Familie abgeschlossen wird. Für den Ehepartner läuft zudem bereits seit dem 5. November 2025 ein Verfahren zur Familienzusammenführung beim Regierungskommissariat, zu dem im Mai in Bozen die jüngste Anhörung stattgefunden hat.
Auf die Befürchtungen bezüglich ungedeckter Folgekosten betonte der Bürgermeister, dass die Frau bereits einer Beschäftigung nachgehe und ihren Lebensunterhalt sowie die anfallenden Spesen selbst finanziere. Die Familie ist im Rahmen eines Wohn- und Integrationsprojektes zur aktiven Mitarbeit verpflichtet, was über einen Aufnahmevertrag mit dem Träger des Dienstes geregelt wird. Die Aufnahme ist auf mindestens 24 Monate angelegt, kann jedoch bei einem positiven Verlauf und anhaltender Verfügbarkeit der Wohnung verlängert werden.
Für die angebotenen Dienstleistungen muss die Familie einen monatlichen Mindesttarif von 40 bis 168 Euro pro Person entrichten und zudem die Nebenspesen der Wohnung selbst tragen. Die reinen Mietkosten der Wohnung werden der Gemeinde durch pauschale Zuweisungen des Landes Südtirol vollumfänglich erstattet, wobei die genauen Details über eine Zusatzvereinbarung zur Gemeindefinanzierung geregelt sind. Begleitet wird das Projekt auf praktischer Ebene engmaschig von Karoline Wieland von der Bezirksgemeinschaft Wipptal sowie auf politischer Ebene von der zuständigen Gemeindereferentin für Integration Chiara Martorelli, die dem Gemeinderat auch für weitere Auskunft in diesem Themenbereich zur Verfügung steht.
In Kürze
Im Zuge einer Haushaltsänderung wurden 432.413 Euro für die Neugestaltung des Untertorplatzes reserviert, 239.572 Euro für das PPP-Projekt „Multifunktionssporthalle“. Der Dringlichkeitsbeschluss des Gemeindeausschusses wurde von den Räten bei zwei Enthaltungen von Jonsa Gasse (STF) und Paul Eisendle (SVP) ratifiziert.
Als Alleinverwalter der Inhouse-Gesellschaft „Stadtwerke Sterzing GmbH“ wurde einstimmig Veit Bertagnolli aus Wiesen namhaft gemacht.
Die Umwidmung von Wald in Landwirtschaftsgebiet auf den Grundparzellen 698 und 700 der Katastralgemeinde Thuins wurde einstimmig genehmigt.