Gesundheit
"Gesundheit fördern, bevor Krankheit entsteht"
24.07.2026
Das Südtiroler Gesundheitssystem entwickelt sich durch eine Neuausrichtung von einem System, das vor allem Krankheiten behandelt, zu einem Gesundheits- und Vorsorgesystem, das Gesundheit schützt, Versorgung vernetzt und die Menschen langfristig begleitet. Das betonte der Landesrat für Gesundheitsvorsorge und Gesundheit Hubert Messner bei seiner #halbzeit-Pressekonferenz am 20. Juli auf Schloss Sigmundskron.
Mit dem neuen Landespräventionsplan entsteht ein gemeinsamer strategischer Rahmen für die Gesundheitsförderung. Prävention beginnt in Familie, Schule und Alltag. Über den Arbeitstisch „Schule & Gesundheit“ werden Ernährung, Bewegung, Lebenskompetenz und Suchtprävention verstärkt gefördert. Programme wie „Bewegte Schule“, „Frühe Hilfen“ und „Frühe Kindheit“ begleiten Kinder und Familien frühzeitig. Auch das Angebot im Bereich psychische Gesundheit wurde ausgebaut: Ein landesweites Netzwerk, das psychologische Krisentelefon, eine stärkere Schulpsychologie, die geplante Basispsychologie sowie zusätzliche Familienberatungsstellen bieten niederschwellige Unterstützung.
Mit dem Forschungsprojekt CHRIS Future investiert Südtirol zudem in personalisierte Prävention. Hinzu kommen eine Strategie zur Gendermedizin, Hausbesuche der Familien- und Gemeinschaftskrankenpflege sowie neue Leitlinien zu Abhängigkeitserkrankungen. Informationskampagnen zu Bewegung, Impfungen, Endometriose, Alkohol-, Suizidprävention und Verhütung ergänzen das Angebot.
„Prävention ist die Grundlage eines zukunftsfähigen Gesundheitssystems. Unser Ziel ist, Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange gesund zu bleiben“, so Messner.
Wohnortnahe Gesundheitsdienste ausgebaut
Die wohnortnahe Versorgung wird weiter gestärkt, insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen. „Nicht jeder Weg muss ins Krankenhaus führen. Entscheidend ist schnelle, koordinierte Hilfe am richtigen Ort“, so Messner. Derzeit sind sieben Gemeinschaftshäuser in Betrieb (Bozen, Brixen, Leifers, Naturns, Mals, Klausen und Innichen). Bis 2028 sollen es zwölf sein. Sie bündeln Gesundheits- und Sozialdienste und erweitern das lokale Versorgungsangebot.
Gemeinschaftskrankenhäuser bestehen bereits in Bozen und Meran, ein weiteres entsteht in Neumarkt. Ergänzend sorgen fünf wohnortnahe Einsatzzentralen in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck und Neumarkt für eine koordinierte Betreuung zwischen Krankenhaus, wohnortnahen Diensten und Intermediärpflege.
Ein weiterer Baustein folgt Ende Sommer 2026 mit der Gesundheitshotline 116117. Sie wird zunächst im Raum Bozen und anschließend landesweit rund um die Uhr Orientierung bieten und an die zuständigen Dienste vermitteln.
Durch den Ausbau von Hauskrankenpflege, familienzentrierter Betreuung und palliativer Versorgung entsteht schrittweise ein eng abgestimmtes Versorgungsnetz.
Gesundheitssystem langfristig stärken
Für die langfristige Sicherung des Gesundheitssystems setzt Südtirol auf Investitionen in Personal, Ausbildung und Infrastruktur. Trotz eines jährlichen Anstiegs der Gesundheitsleistungen um rund zehn Prozent konnten Wartezeiten bei prioritären wie auch planbaren Leistungen verbessert werden. Auch die telefonische Erreichbarkeit der Vormerkstelle liegt mit einer durchschnittlichen Antwortzeit von unter einer Minute inzwischen unter dem Zielwert.
Unter dem Leitbild „Ein Krankenhaus mit sieben starken Standorten“ sollen die Krankenhäuser künftig noch enger zusammenarbeiten. Durch abgestimmte Fachbereiche, zentrales Bettenmanagement und gemeinsame OP-Planung sollen Ressourcen effizient genutzt und Patientinnen und Patienten schneller versorgt werden.
"Kein Gesundheitssystem funktioniert ohne motivierte Mitarbeiter", betonte Messner. Er allen, die jeden Tag für die Gesundheit der Südtiroler im Einsatz sind. Der Landesrat verwies auf die getätigten Investitionen in bessere Arbeitsbedingungen und Ausbildung wie neue Kollektivverträge, die Einführung der 36 Stunden Woche für das Pflegepersonal sowie modernes Recruiting, den Ausbau der medizinischen Ausbildung in Bozen, Studienförderungen, Praktika und internationale Kooperationen. Derzeit sind rund 270 Fachärzte im Südtiroler Sanitätsbetrieb in Ausbildung.
„Der Trend ist positiv, auch wenn Veränderungen Zeit brauchen“, so Messner. Im Mittelpunkt der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens stünden weiterhin die Patienten sowie die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen.
(sabes; Foto: LPA/Fabio
Brucculeri)