Auf den Tag genau 50 Jahre nach der historischen Gründungsversammlung blickte der Bergrettungsdienst im AVS Ridnaun/Ratschings am Samstag (12. September) im Biathlonzentrum in Maiern auf eine bewegte und zutiefst von Kameradschaft geprägte Vereinsgeschichte zurück.
Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messfeier, zelebriert von Pfarrer Thomas Stürz. Im Anschluss daran nutzten Ehrengäste, Mitglieder und Wegbegleiter den Festakt, um das halbe Jahrhundert ehrenamtlichen Einsatzes gebührend zu würdigen. In den Festreden spiegelte sich die große Wertschätzung wider, die dem Bergrettungsdienst im Wipptal und weit darüber hinaus entgegengebracht wird. Rettungsstellenleiter Philipp Braunhofer zeichnete in seinem Rückblick den Weg von den bescheideneren Anfängen hin zu einer modernen Spezialorganisation nach. Bürgermeister Sebastian Helfer betonte in seinen Grußworten, dass die Bergrettung weit mehr als ein Rettungsdienst sei; vielmehr sei sie ein unverzichtbarer Teil der Identität der Gemeinde Ratschings und ein Vorbild für Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Herbert Thaler, BRD-Bezirksvertreter für das Eisacktal, schloss sich den Glückwünschen an und hob die kontinuierliche Einsatzbereitschaft im anspruchsvollen Gelände hervor.
Ein besonderes Highlight der Jubiläumsfeier war eine kleine Ausstellung, in der historische Fotos und Ausrüstungsgegenstände den enormen Wandel der Zeit greifbar machten: Wo früher schwere Gebirgstragen, einfache Seile und improvisiertes Material den Alltag prägten, stehen den Helfern heute modernste digitale Funknetze, Wärmebild-Drohnen, Spezialausrüstungen für Liftevakuierungen und eine enge Anbindung an die Flugrettung zur Verfügung. Zudem stellte der Verein seine gedruckte Chronik vor, die das Einsatzgeschehen und die Meilensteine dokumentiert.
Pioniergeist und Kräftebündelung
Die Geschichte der Bergrettung Ridnaun nahm im Sommer 1976 ihren Anfang, als die steigenden Alpinistenzahlen in den Stubaier Alpen immer häufiger ein organisiertes Eingreifen verlangten. Am 12. September 1976 traten engagierte Männer im Hotel „Sonklarhof“ zusammen und beschlossen die Gründung einer Außenstelle des BRD Sterzing. Unter der Führung des ersten Rettungsstellenleiters Hermann Vantsch zeichnete sich die Gruppe sofort durch Eifer aus: Schon vier Tage nach der Gründung fand im Sonklarhof die erste Knotenschulung statt.
Da Notfälle in den Bergen keine Gemeindegrenzen kennen, folgte im Jahr 1978 der entscheidende Schritt, um die Effizienz des Rettungsdienstes zu steigern: Die zwei Jahre zuvor (1974) gegründete Rettungsstelle Ratschings und die Rettungsstelle Ridnaun schlossen sich zum gemeinsamen Bergrettungsdienst Ridnaun/Ratschings zusammen, um Kräfte, Wissen und Material zu bündeln.
Auch die räumliche Entwicklung spiegelte das stetige Wachstum wider: Nach Anfängen in privaten Provisorien bezogen die Bergretter 1985 ihr erstes fixes Vereinslokal in der ehemaligen Elektrozentrale des Bergwerks Schneeberg in Maiern. Zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 2002 folgte der Umzug in das moderne Vereinslokal in einem Zubau des Kulturhauses, ehe 2018 in Stange ein weiterer Stützpunkt mit Versammlungsraum, Garage und Hubschrauberlandeplatz in Betrieb genommen werden konnte.
Herausfordernde Einsätze
Über die fünf Jahrzehnte hinweg wurden die Helfer zu Hunderten herausfordernden Einsätzen gerufen. Das Spektrum reicht dabei von spektakulären und tragischen Ereignissen – wie der doppelten Hubschrauber-Katastrophe am Gamsberggraben (1982), dem dramatischen Einsatz während eines Unwetters am Becherhaus (1983) oder der Bergung von Seilbahngästen am Wasserfallerlift (2023) – bis hin zu großangelegten Lawinensuchen.
Der Wandel von einer reinen Bergungstruppe hin zur hochspezialisierten Einsatzkraft zeigt sich in den vielfältigen Sparten: Heute gehören Hundeführer, eigene Drohnenpiloten, Spezialisten für Seilbahnevakuierungen, Pistenretter sowie ausgebildete Einsatzleiter zum festen Stamm. Trotz aller technischer Weiterentwicklung ist das Fundament jedoch unverändert geblieben: Es ist der ehrenamtliche Einsatz von Menschen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ihr eigenes Leben riskieren, um anderen zu helfen.
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