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Home → News → Wir sind Schöpfung: Fotoausstellung zum interreligiösen Dialog - 12.09.2025 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Kultur

Wir sind Schöpfung: Fotoausstellung zum interreligiösen Dialog

12.09.2025

Der Dialog zwischen den drei großen monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam ist das Thema der heute in der Festung Franzensfeste eröffneten Ausstellung „Wir sind Schöpfung“ des Fotokünstlers Hans-Günther Kaufmann.

Neun Fotografien zu den Themen Ursprung, Wasser und spirituelle Architektur bilden den Kern der künstlerischen Reflexion des deutschen Fotografen. Im Mittelpunkt steht nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame. Kaufmann macht sichtbar, was die Menschheit verbindet, und lässt im Bild einen Dialog der Kulturen entstehen. Seine Arbeiten öffnen Räume der Begegnung und erinnern an die Verantwortung: füreinander, für einen achtsamen Umgang mit der Natur, für die Bewahrung einer Umwelt, die nur gemeinsam geschützt werden kann – über Grenzen, Traditionen und Religionen hinweg.

Die Ausstellung ruft in Erinnerung, wie untrennbar Mensch, Kultur und Natur verwoben sind. Sie bekennt: Wir sind Schöpfung. In diesem Satz verdichtet sich das Bewusstsein, dass alles Leben auf diesem Planeten miteinander verbunden ist – Teil eines größeren Ganzen.

Aus diesem Geist heraus initiierte Hans-Günther Kaufmann Schulprojekte, in denen Kinder und Jugendliche ihre eigenen künstlerischen Beiträge zu einem respektvollen Miteinander und einer lebenswerten Zukunft entwickelten. Auch diese Arbeiten sind Teil der Ausstellung:

Die Installation „Weg der Hoffnung“ präsentiert 18 T-Shirts mit Botschaften von Schülern aus Augsburg. Ihre Statements thematisieren die Bedeutung der Schöpfung, die kreative Kraft des Menschen und die Kostbarkeit der Natur.

Die Projektion „Licht-Blicke – aus dem Bunker“ zeigt hingegen 15 Kinderporträts von Schülern aus dem oberbayerischen Miesbach. Ihre Botschaften drehen sich um Frieden, interreligiösen und interkulturellen Dialog, Gemeinschaft, Umweltschutz und Toleranz. Den Porträts gegenübergestellt sind 15 Fotografien der Festung Franzensfeste, aufgenommen von Hans-Günther Kaufmann. Das Zusammenspiel dieser Bilder verdeutlicht, wie die Stimmen der jungen Generation Hoffnung und Zukunft verkörpern.

Ergänzt wird die Ausstellung durch drei Fahnen mit Zitaten aus der Bibel, dem Koran und der Tora.

Zur Eröffnung

Nach Stationen in Deutschland, Österreich und Italien ist die Ausstellung nun in der Festung Franzensfeste zu sehen (noch bis zum 9. November). Die Eröffnung begann mit einer Einführung durch den Direktor der Festung, Emanuel Valentin, sowie die Ausstellungskuratorin Esther Erlacher. Daran anschließend fand eine Podiumsdiskussion mit Landeshauptmann Arno Kompatscher, Kultur- und Museenlandesrat Philipp Achammer, der Anthropologin Anna Fedele, dem Künstler Hans-Günther Kaufmann und der in der Ukraine tätigen Auslandskorrespondentin Daniela Prugger statt. Im Zentrum der Diskussion standen die Kernthemen der Ausstellung: das friedliche Zusammenleben, ein gemeinsames Demokratieverständnis und die Frage, wie ein gelungenes Miteinander im europäischen Kontext gestaltet werden kann.

Anna Fedele hob hervor, dass die drei Weltreligionen viele Gemeinsamkeiten aufwiesen – etwa eine patriarchale Ausrichtung und die Grundannahme, dass Gott die Welt erschaffen habe, „woraus sich nur schwer eine menschliche Verantwortung für einen achtsamen Umgang mit Umwelt und Natur ableiten lässt“.

Hans-Günther Kaufmann betonte, dass es – im Sinne des Leitgedankens „Wir sind Schöpfung“ – nur das Miteinander geben könne: ein gemeinsames Vorgehen gegen Rassismus und Aggression. „Andere Alternativen existieren nicht“, so der Künstler.

Daniela Prugger, eigens aus der Ukraine angereist, brachte eindrucksvolle Eindrücke aus dem kriegsgebeutelten Land ein: „Die Menschen dort geben die Hoffnung nicht auf. Der Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung ist derzeit das Verbindende und stärkt die gesamte Gesellschaft“, berichtete sie.

Im Anschluss führte Hans-Günther Kaufmann durch die Ausstellung.

Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Abraham Accords Institute for Peace and Regional Integration, das 2022 unter der Leitung von Armin Laschet, ehemaliger Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Bundestagsabgeordneter, gegründet wurde. Das Institut setzt sich für eine Annäherung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn ein – getragen von Respekt, Anerkennung und Dialog, im Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung, Kooperation über Konfrontation und Begegnung über Konflikt zu stellen. In einem Raum der Festung läuft auch ein 43-minütiger Film zum Thema, bei dem Laschet den Auftrag des genannten Instituts erklärt. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegsgeschehnisse im Nahen Osten erscheint die Ausstellung eindringlicher und aktueller denn je.

Der Künstler

Hans-Günther Kaufmann (* 1943, Tours/Frankreich) ist ein deutscher Fotograf. Bereits als Fünfzehnjähriger erschienen erste Arbeiten im Magazin twen; mit achtzehn eröffnete er in München sein erstes Studio und prägte als Werbe- und Modefotograf Bildwelten für bekannte Magazine. Eine spätere Wendung führte ihn zu spirituellen Themen: Natur, Glaube und Kultur wurden zum Zentrum seines Werkes. Für seine Bildzyklen zum Jakobsweg wurde er von König Juan Carlos mit einem Verdienstorden geehrt. Heute lebt und arbeitet Kaufmann in Miesbach. 2023 realisierte er gemeinsam mit dem Abraham Accords Institute die internationale Wanderausstellung Wir sind Schöpfung. 2024 erschien seine Biografie AugenZeuge im Miesbacher Verlagshaus.

Im Bild (v. l.) Festungsdirektor Emanuel Valentin, die Moderatorin des Runden Tisches Elisa Tappeiner, Kuratorin Esther Erlacher, Journalistin Daniela Brugger, Künstler Hans-Günther Kaufmann, Anthropologin Anna Fedele, LH Arno Kompatscher und LR Philipp Achammer

Foto © Tiberio Sorvillo

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