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Home → News → Ein Schirm für Trauernde - 10.02.2026 (0 Kommentar/e)
 
 
 
 
Gesellschaft

Ein Schirm für Trauernde

10.02.2026

Am 10. Februar wird weltweit der Umbrella Day, der Regenschirmtag, begangen und würdigt den Regenschirm als praktisches, schützendes und modisches Accessoire. Zugleich stehen Regenschirme symbolisch für Schutz – vor Regen, vor Sonne, vor dem Unwetter des Lebens. International nutzen zahlreiche Organisationen diesen Tag, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen: Das Trauer- und Krisennetzwerk Südtirol begleitet, stützt und schützt Menschen in Zeiten von Trauer, Verlust und Krise und macht sichtbar: In Südtirol gibt es einen Schutzschirm – für Menschen, die in schweren Lebensphasen nicht allein bleiben sollen.

„Trauer fühlt sich oft an wie ein plötzliches Unwetter“, sagt Rudi Sampt, Gründer und Präsident des Trauer- und Krisennetzwerks Südtirol. „Am heurigen Regenschirmtag erinnern wir daran, dass niemand diesem Sturm allein ausgeliefert sein sollte. Wir verstehen uns als dieser Schirm für Südtirol – offen, tragend und da, wenn es am meisten braucht.“

Ein neuer Schirm: das Mobile Hospiz Südtirol

Ein zentraler Teil dieses Schutzschirms ist das Mobile Hospiz Südtirol, das am 1. November 2025 seinen Dienst aufgenommen hat. Immer mehr Menschen verbringen ihre letzte Lebensphase zu Hause, im Kreis ihrer Angehörigen. Bestehende medizinische und pflegerische Angebote werden nun durch eine neue, niederschwellige Form der Begleitung ergänzt.

Das Mobile Hospiz richtet sich an Familien, die einen schwerkranken Angehörigen zu Hause pflegen und bei denen sich zeigt, dass die letzte Lebensphase begonnen hat. Begleitet werden sowohl die Sterbenden als auch ihre Angehörigen. „Unser Ziel ist es, die Schwere dieser Zeit etwas leichter zu machen“, erklärt Martina Messner, Hospizkoordinatorin. „Wir hören zu, helfen bei offenen Fragen, erfüllen letzte Wünsche und schaffen Raum für Gefühle.“

Insgesamt wurden 34 Hospizbegleiter ausgebildet, 16 ehrenamtliche Begleiter stehen aktuell für Einsätze bereit. Alle haben eine zertifizierte Ausbildung in Sterbebegleitung nach dem Celler Modell absolviert und kommen aus unterschiedlichen Berufen und Lebenswelten. Die Hospizbegleitung ersetzt keine Pflege, sondern ergänzt sie um spirituelle und psychosoziale Unterstützung. „Ein Anruf genügt – wir kommen zu den Menschen nach Hause“, so Sampt.

„Jede Familie ist eine Hospizeinrichtung auf Zeit“

Der Fokus beim Mobile Hospiz liegt auf Nähe, Zeit und menschliche Begleitung. „Unsere Haltung ist einfach“, sagt Sampt. „Jede Familie, die zu Hause einen Menschen in seiner letzten Lebensphase begleitet, ist eine Hospizeinrichtung auf Zeit.“ Gerade in dieser Phase tauchen oft offene Konflikte, unerledigte Dinge und sogenannte Herzensthemen auf. „Es geht darum, Herzensfrieden zu finden – und in Frieden gehen zu können“, ergänzt Messner.

Große Nachfrage – junges Netzwerk

Dass der Bedarf groß ist, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2025 verzeichnete das Trauer- und Krisennetzwerk 26 Einzelbegleitungen mit insgesamt 47 Treffen, begleitete ab November fünf Familien im Rahmen der Hospizarbeit und führte Trauergruppen und offene Gesprächskreise durch. Seit 2023 wurden 44 Trauer- und Sterbebegleiter*innen ausgebildet. 69 Mitglieder und 16 Kooperationspartner tragen den Verein derzeit mit.

„Viele Menschen tun sich noch schwer, sich mit ihrer Trauer oder Krise an Hilfe zu wenden“, sagt Sampt. „Uns gibt es noch nicht lange. Der Regenschirmtag ist eine Chance, sichtbar zu machen: Es ist in Ordnung, Schutz anzunehmen.“

Teil des Schutzschirms werden

„Wir begehen den Regenschirmtag im Sinne der Solidarität mit trauernden Menschen“, so Sampt. Auch in Südtirol gilt: Ein Schirm schützt nur, wenn viele ihn mittragen. Eine Mitgliedschaft im Trauer- und Krisennetzwerk Südtirol beträgt 50 Euro pro Jahr – durch Spenden können Hospizbegleitungen für Betroffene und Angehörige kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

„Wer Mitglied wird oder spendet, wird Teil dieses Schutzschirms“, sagt Messner. „Für Menschlichkeit, Würde und Nähe – gerade dann, wenn das Leben am verletzlichsten ist.“

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