Wirtschaft
Widerstand nach wie vor groß
12.07.2026
Parallel zur Ausweitung des Angebots steigt auch der Anteil der Personen, die sonntags einkaufen gehen, leicht an. Dennoch sprechen sich nach wie 6 von 10 Südtiroler Arbeitnehmer:innen grundsätzlich gegen die Öffnung von Geschäften am Sonntag aus. Noch deutlicher zeigt sich: Die Bereitschaft, selbst sonntags zu arbeiten, ist rückläufig. „Noch stärker als vor zehn Jahren verbinden lohnabhängig Beschäftigte den freien Sonntag mit Familie und Lebensqualität“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.
Offene Geschäfte am Sonntag – ja oder nein? Diese Frage spaltet die Südtiroler Gesellschaft nach wie vor. Arbeitnehmer nehmen dabei eine doppelte Rolle ein: einerseits als Konsumenten, andererseits als Beschäftigte. Wie sie zur Sonntagsöffnung stehen, zeigt eine Umfrage im Sonderteil des aktuellen AFI-Barometers. Bereits im Sommer 2014 und im Sommer 2016 – also vor zwölf bzw. zehn Jahren – hatte das AFI dieselben Fragen gestellt. Dadurch sind aussagekräftige Zeitvergleiche möglich.
Sechs von von Arbeitnehmer gegen die Sonntagsöffnung
61 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmer sprechen sich grundsätzlich gegen die Öffnung der Geschäfte am Sonntag aus. 19 Prozent zeigen sich gleichgültig, 20 Prozent befürworten sie. Vor zehn Jahren war die Verteilung mit 66 Prozent / 18 Prozent / 16 Prozent sehr ähnlich.
Wer gegen die Sonntagsöffnung ist, kauft auch nicht ein
Auf die Frage, ob sie als Konsumenten selbst sonntags einkaufen gehen, antworten 47 Prozent der Arbeitnehmer, dass sie dies nicht tun würden. 26 Prozent kaufen selten, 17 Prozent manchmal und zehn Prozent häufig sonntags ein. Beim Einkaufsverhalten zeigt sich allerdings in den vergangenen zehn Jahren eine erkennbare Verschiebung hin zum Sonntagseinkauf (2016: 48% / 30% / 17% / 6%).
Ins Auge sticht zunächst die hohe Kohärenz im Verhalten der Südtiroler Arbeitnehmenden. „Wer gegen die Sonntagsöffnung ist, kauft an diesem Tag auch nicht ein. Das war bereits vor zehn bzw. zwölf Jahren so und gilt bis heute“, betont AFI-Direktor Stefan Perini.
Der freie Sonntag ist Lebensqualität
Nach wie vor stark ausgeprägt ist das Bewusstsein, dass regelmäßige Sonntagsarbeit das Familien- und Privatleben und damit die Lebensqualität beeinträchtigt. 41 Prozent verbinden die Sonntagsarbeit mit einer „großen“ Belastung, weitere 20 Prozent als „eher großen“ Belastung. Lediglich 20 Prozent stufen die Belastung als „gering“ ein, 13 Prozent als „irrelevant“.
Zudem: Wer heute schon regelmäßig am Sonntag arbeitet, ist gewissermaßen an diese Situation gewöhnt und empfindet sie daher als weniger belastend. Beschäftigte hingegen, die derzeit noch nicht sonntags arbeiten, sehen darin eine potentiell erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität. „Diese unterschiedliche Wahrnehmung ist eine der spannendsten Erkenntnisse unserer Umfrage“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.
Der normative Hintergrund
Im Dezember 2011 beschloss die Regierung Monti mit dem Dekret „Salva Italia“ die vollständige Liberalisierung der Öffnungszeiten im Einzelhandel. In der Folge versuchte das Land Südtirol, im Rahmen seiner Zuständigkeiten durch eine Durchführungsbestimmung zum Autonomiestatut die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen auf ein vertretbares Maß zu begrenzen. Das entsprechende Landesgesetz wurde jedoch vor dem Verfassungsgericht angefochten und schließlich für verfassungswidrig erklärt. Die in diesen Wochen verabschiedete Reform des Autonomiestatuts eröffnet nun erneut Handlungsspielräume, die ausgelotet werden könnten.
Das AFI-Barometer wird viermal jährlich (Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter) erhoben und bildet das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft ab. Die Erhebung erfolgt mittels telefonischer Befragung von 500 Südtiroler Arbeitnehmer und ist repräsentativ für Südtirol.
(Foto: © pixabay)