Was passiert mit meinem Kind mit einer Beeinträchtigung oder psychischen Erkrankung, wenn ich mich nicht mehr kümmern kann? Mit dieser Frage haben sich am Dienstag (12. Mai) rund dreißig Eltern, Betroffene, Fachkräfte und Vertreter von Organisationen bei der Jahresversammlung der Stiftung „nach uns.dopo di noi“ in Bozen beschäftigt. Dem neu gewählten Stiftungsrat gehören auch zwei Wipptaler an.
Die Stiftung, die vor nunmehr ziemlich genau zwei Jahren von neun Körperschaften gegründet wurde, will Familien in Südtirol dabei unterstützen, Zukunft frühzeitig und gemeinsam zu planen. Im Mittelpunkt stehen Selbstbestimmung, Stabilität, konkrete und individuelle Lösungen für Menschen mit Beeinträchtigung. Gleichzeitig stellte die Stiftung die Schwerpunkte für das heurige Jahr vor. Dazu gehören neue Elterngruppen, offene Beratungsnachmittage und ein Angebot für Rechtsberatung. Die Stiftung Südtiroler Sparkasse hat für dieses und das kommende Jahr eine großzügige Start-up-Finanzierung zugesichert und die Räumlichkeiten im Zentrum von Bozen zur Verfügung gestellt. Sie unterstützt den Aufbau der neuen Struktur damit maßgeblich.
Barbara Misslinger begleitet die Stiftung als Mutter, Mitglied und Freiwillige von Anfang an. Sie kennt die Sorgen vieler Familien aus eigener Erfahrung. „Viele Eltern schieben dieses Thema lange vor sich her, weil es weh tut“, sagt sie. „Aber irgendwann wird allen klar, dass wir anfangen müssen, darüber zu reden. Wir wollen als Familie mitgestalten, solange wir es können.“
Dort setzt die Stiftung an. Sie unterstützt Familien dabei, gemeinsam Lebensprojekte für Menschen mit Beeinträchtigung zu entwickeln. Es geht um Fragen des Wohnens, der Begleitung, der sozialen Beziehungen und der langfristigen Absicherung. Geschäftsführerin Martina Pastore betont: „Jede Situation ist anders. Deshalb suchen wir keine Standardlösungen. Wir setzen uns gemeinsam mit den Familien an den Tisch, hören zu und überlegen Schritt für Schritt, was ein gutes und selbstbestimmtes Leben möglich macht.“
Ein Schwerpunkt des heurigen Jahres liegt stärker auf der Rolle der Eltern. Viele Mütter, Väter und Geschwister tragen seit Jahrzehnten Verantwortung und stoßen irgendwann an Grenzen. Die Stiftung möchte die Familien früher treffen und begleiten und einen Raum schaffen, in dem Zukunft nicht erst dann Thema wird, wenn der Druck (zu) groß ist.
Präsident Armin Reinstadler sagt: „Wir wollen den Mut der Menschen stärken, sich mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erleben wir jeden Tag, wie entlastend es für Familien ist, wenn sie gemeinsam mit uns konkrete Vorstellungen entwickeln können.“
Neu für die Stiftung ist ein Angebot für Rechtsberatung. „nach uns.dopo di noi“ vermittelt künftig spezialisierte Unterstützung bei rechtlichen, finanziellen und erbrechtlichen Fragen. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Familien Orientierung wünschen, wenn es um Verantwortung, Absicherung und langfristige Entscheidungen geht. Dort gibt es meist große Unsicherheiten.
Seit Kurzem lädt die Stiftung an jedem ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr zu einem offenen Nachmittag an ihrem Sitz am Waltherplatz 28 in Bozen ein. Familien, Angehörige und Interessierte können ohne Anmeldung vorbeikommen und sich in einem informellen Rahmen austauschen.
Bei der Vollversammlung, an der mehr als 30 Mitglieder teilgenommen haben, hat sich der neue zwanzigköpfige Stiftungsrat vorgestellt. Zehn Mitglieder wurden per Akklamation gewählt, weitere zehn von den neun Trägerorganisationen ernannt. Der neue Stiftungsrat bleibt fünf Jahre im Amt und vereint Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Landesteilen Südtirols.
Der neue Stiftungsrat
Von der Versammlung per Akklamation gewählte Kandidaten: Hansjörg Elsler, Deborah Gruber, Benno Linser, Stefano Mariucci, Ingrid Miribung, Francesco Morandi, Theresia Rottensteiner, Karl Tragust, Karin Waldboth, Andrea Zeppa
Von den Gründungsstiftern direkt nominierte Kandidaten: Irmhild Beleen (AEB), Vincenzo Bucci (AIAS), Kurt Egger (Ariadne), Stefan Hofer, Martina Gianola (Dachverband für Soziales), Roberto Bortolotti (EHK), Roland Schroffenegger (Lebenshilfe), Elisabeth Ladinser (Stiftung Sparkasse), Heinrich Erhard (Südtiroler Vinzenzgemeinschaft), Sylvia Hofer (Verein für Sachwalterschaft)
Im Bild (v. l.) Präsident Armin Reinstadler, Landesrätin Rosmarie Pamer, Geschäftsführerin Martina Pastore und Roberta Rigamonti (Präsidentin des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit).