Die Festung Franzensfeste lädt im Juni zu einer dreiteiligen Online-Vortragsreihe zum Thema Queerness im Militär ein. Im Mittelpunkt stehen historische Entwicklungen, persönliche Erfahrungen sowie aktuelle Perspektiven auf sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in militärischen Kontexten.
Militärische Institutionen gelten bis heute häufig als Räume, in denen Vorstellungen von Männlichkeit, Disziplin, Ordnung und Zugehörigkeit besonders stark verhandelt werden. Die Vortragsreihe „Queerness im Militär“ fragt danach, wie queere Menschen in diesen Strukturen sichtbar wurden und werden, welche Formen von Ausgrenzung und Anerkennung es gab und welche Veränderungen sich in den letzten Jahrzehnten abzeichnen.
Den Auftakt macht am kommenden Dienstag, 16. Juni um 15 Uhr der Vortrag mit Daniel Gunz, Historiker an der Universität Wien. Er forscht zur gleichgeschlechtlichen Sexualität in den Streitkräften Österreich-Ungarns und verfasst seine Dissertation zu diesem Thema. Seine Arbeit beschäftigt sich unter anderem mit Militärgerichtsakten, militärischen Männlichkeitsvorstellungen und dem Umgang militärischer Behörden mit Sexualität im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Der zweite Termin am Mittwoch, 24. Juni 2026 um 15 Uhr widmet sich gegenwärtigen Erfahrungen und Perspektiven aus dem österreichischen Bundesheer. Zu Gast sind Mario Falak-Eismayer und Charles Falak-Eismayer von der Organisation Queer im Heer. Ihre Geschichte wurde durch den österreichischen Film Eismayer einem breiteren Publikum bekannt. Der Film basiert auf der realen Liebesgeschichte von Charles Eismayer und Mario Falak und thematisiert queeres Leben, Coming-out und Männlichkeitsbilder im militärischen Umfeld. Charles Falak-Eismayer ist zudem als Präsident bzw. Vorsitzender des Vereins Queer im Heer öffentlich aufgetreten.
Den Abschluss der Reihe gestalten am Dienstag, 30. Juni um 15 Uhr Isabelle Deflers und Alissa L’Abbé von der Universität der Bundeswehr München. Isabelle Deflers ist Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit und seit 2025 Vizepräsidentin für Internationalisierung und Diversität an der Universität der Bundeswehr München. Alissa L’Abbé ist Historikerin und Projektkoordinatorin des BMBF-Verbundprojekts „Lost in Archives. Auf der Suche nach unsichtbaren Frauen in Männerdomänen“. Beide arbeiten im Umfeld historischer Forschung zu Geschlecht, Sichtbarkeit und institutionellen Strukturen.
Die Reihe bringt damit unterschiedliche Stimmen aus Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis zusammen. Sie möchte zur Auseinandersetzung mit einem Thema einladen, das lange marginalisiert wurde und zugleich wichtige Fragen nach Teilhabe, Erinnerungskultur, Diskriminierung und Gleichstellung aufwirft.
Die Vorträge finden online statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Zugangslink wird auf der Website der Festung Franzensfeste veröffentlicht.