Medien prägen entscheidend die Wahrnehmung von Regionen. Sie erzeugen Bilder, Geschichten und Stereotype, die Vorstellungen von Orten formen und verändern. Eine internationale Tagung am 18. und 19. Juni in Brixen zeigt anhand historischer Beispiele, wie Medien Regionen konstruieren und deren Wahrnehmung beeinflussen. Die Teilnahme ist kostenlos, Vorträge werden zweisprachig gehalten.
Welches Bild von einer bestimmten Region entsteht, welche Vorstellungen mit ihr verbunden werden und wie sie wahrgenommen wird, hängt wesentlich davon ab, wie sie in den Medien dargestellt wird: Fernsehsendungen und Filme, Fotografien und Social-Media-Reels, Dokus und Reportagen, Plakate und Broschüren, Zeitungsartikel, Radioprogramme und Podcast, sie alle liefern laufend Bilder und Beschreibungen von Regionen. Dabei spielen nicht selten Stereotypisierungen oder Vereinfachungen hinein. Dennoch rufen sie wirkmächtig bestimmte Vorstellungen hervor, mit positiven oder eben auch mit vorurteilsbelasteten Konnotationen.
Medien prägen, formen und vermitteln also grundlegend die Wahrnehmung dessen, was eine Region ausmacht. Dies gilt nicht nur für die Gegenwart: Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Regionen keinesfalls natürliche Gegebenheiten sind, die über die Zeit hinweg gleich und unverändert geblieben wären. Im Gegenteil: Welcher geografische Raum überhaupt als zusammengehörig betrachtet wird oder welche Besonderheit (oder gar Identität) einer bestimmten Region zugeschrieben wird, unterliegt einem kontinuierlichen Wandel und hängt fundamental davon ab, was über sie erzählt und berichtet wird.
Diese Variabilität in Kontur und Bedeutung von Regionen steht im Zentrum der internationalen Tagung „The media makes the region. Erzeugen und Vermitteln von Region durch Medien“; sie findet am kommenden Donnerstag, 18. Juni (10-18 Uhr) und am Freitag, 19. Juni (9-13 Uhr) in der Cusanus-Akademie in Brixen statt. 15 Historikerinnen und Historiker präsentieren Fallbeispiele aus der Vergangenheit und zeigen, wie Medien (Amateurfilme, Radio, Fotografien, TV, Zeitungen oder Tourismusbroschüren) am Konstruktionsprozess von Regionen beteiligt waren und Einfluss auf deren Wahrnehmung ausübten. Untersucht wird unter anderen auch die Region Trentino-Südtirol: So spricht etwa die Fotografie-Expertin Katia Malatesta darüber, wie die Region während des Faschismus und in der Nachkriegszeit fotografisch inszeniert wurde, um touristischen und propagandistischen Zielsetzungen zu dienen.
Die Tagung steht allen Interessierten offen, der Eintritt ist kostenfrei. Die Vorträge werden in deutscher und italienischer Sprache gehalten, eine Simultanübersetzung wird angeboten. Das Tagungsprogramm kann auf der Website der Veranstalter eingesehen werden; letztere sind das Zentrum für Regionalgeschichte, das Forschungsprojekt „Geschichte und Region/Storia e regione”, der first-Forschungsverbund “Regionalitäten” St. Pölten und das Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Innsbruck.
Foto © Sammlung Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus